Rezensionen
Kommentare 2

Batman/Turtles + Ghostbusters/Turtles

Als Kevin Eastman und Peter Laird vor 33 Jahren die im Untergrund lebenden, pizzaliebenden Teenage Mutant Ninja Turtles aus der Taufe hoben, waren sie wenig mehr als eine Parodie auf damals angesagte Kampfsporthelden. Kurz danach traten die aus den Comics stammenden Schildkröten eine multimediale Karriere an, die sie – in Form von Spielzeug und Zeichentrickfolgen – in unzählige Kinderzimmer einquartieren sollte. Und auch heute noch bestehen sie weiter und werden immer wieder in Kinofilmen, Comics oder Animationsserien präsentiert.

Bei den beiden deutschen Verlagen Panini und Dani Books sind jüngst mit nur wenigen Monaten Abstand zwei Crossover-Comics veröffentlicht worden, in denen die Ninja Turtles auf vergleichbar bekannte Figuren treffen; zum einen DCs legendärer Superheld Batman, zum anderen die ebenfalls 33 Jahre alten Ghostbusters, deren aktuelle Comicserie wie auch jene der Turtles bei IDW erscheint.

© Panini

Beide Bände beinhalten jeweils eine abgeschlossene US-Miniserie und folgen dabei einem ganz ähnlichen Muster: In beiden Fällen verschlägt es die vier Turtles, Raphael, Leonardo, Donatello und Michelangelo durch ein Dimensionsportal irrtümlicherweise in eine ihnen unbekannte Welt, eine Parallelwelt, um genau zu sein. Die Prämisse, sich weiterhin auf der vertrauten, aber doch irgendwie anderen Erde vorzufinden, dient hier selbstredend als Motor für die Handlung und als Erklärung, warum sich alle Beteiligten zum ersten Mal begegnen können.

Die Parallelwelttheorie versetzt die Autoren hierbei auch gleichzeitig in die Lage, die Erzählungen innerhalb der „geltenden“ Kontinuität spielen zu lassen, da am Ende natürlich jeder wieder jeder sauber getrennt in seiner ursprünglichen Welt verbleibt. Klar, die Konventionen eines klassischen Comic-Crossovers, bei dem das exotische Gastspiel schlussendlich doch nur ein nettes Gimmick zwischen zwei ansonsten getrennten Franchises ist, können beide Comics dadurch nicht abstreifen. Allerdings muss man hervorheben, dass Erik Burnham und Tom Waltz, die Autoren von Ghostbusters/Teenage Mutant Ninja Turtles, sich in dieser Hinsicht durchaus Gedanken gemacht haben.

© Dani Books

Denn mit dem altertümlichen, chinesischen Kriegsgott Chi-You führen sie einen neuen Turtles-Gegner ein, der sowohl für die reguläre Turtles-Comicserie Relevanz haben wird, als auch in direkter Verwandtschaft zu zwei bereits bekannten Turtles-Widersachern steht. Diese Einbettung in die bestehenden IDW-Reihen der beiden Teams gelingt auch deshalb, weil die beide Schreiber ebenfalls für die fortlaufenden Einzelreihen verantwortlich sind. Mehr als nett ist in diesem Zusammenhang dann auch die Wahl der drei Zeichner ausgefallen, die je nach Passage einen anderen Stil an den Tag legen. Den Beginn markiert ein prologartiger Exkurs in die antike Welt der Götter, aus der Chi-You stammt; mit Bildern aus groben Linien und mit vielen Schattierungen. Danach wird der Leser in in die Turtles-Heimatwelt geführt, die sich mit vergleichsweise klarem Strich und angenehmen Farben deutlich von den vorhergehenden Seiten absetzt. Zu guter Letzt reisen wir dann mit den Turtles zusammen in das andere New York, jenes, in dem die vier Ghostbuster-Jungs ihrem Beruf nachgehen. Die Zeichnungen hierzu, die von Dan Schoening stammen und den Großteil des Comics einnehmen, sind auffälig cartoonig gestaltet, insbesondere die Gesichter wirken abstrakt gehalten. Insgesamt fühlt man sich beim Lesen als Betrachter einer Zeichentrickserie.

© Dani Books

Demgegenüber kann Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles nicht unbedingt mit Kontinuitätsrelelavanz und abwechslungsreichen Comicstilen punkten. Die Stärken dieses Crossovers liegen vielmehr im geradlinigen Storytelling und dem vergleichsweise seriösen Setting. Autor James Tynion IV hat reichlich Erfahrung damit, Batman-Geschichten zu inszieren. Und so verfasste er auch den Besuch der Ninja Turtles im tristen Gotham City vorrangig als eine fast konventionelle Batman-Story, lässt den Dunklen Ritter als brillianten Detektiv glänzen und schöpft die Bandbreite bekannter Bat-Nebenfiguren aus. Im Kampf gegen den ebenfalls durchs Dimensionsportal gestolperten Turtles-Erzfeind Shredder zündet Tynion IV erzählerisch mit jedem Kapitel eine Stufe höher: Nach dem Pinguin und Ra’s al Ghul tritt eine Riege an weiteren Schurken auf. Was recht clever gemacht ist, wird so die anfänglich vermeintliche Abnormität der anthropomorphen Schildkröten doch durch das unfassbare Kabinett der Freaks unter Batmans Gegnern (die durch ein besonderes Gimmick sogar noch freakiger gemacht werden) gekonnt heruntergespielt.

© Panini

Zeichner Freddie E. Williams trägt letztlich auch sein Anteil dazu bei, dass in meiner persönlichen Bewertung das Batman-Crossover ein Stückchen besser abschneidet als das (vor allem auf der Humorebene stärker auftrumpfende) Crossover mit den Ghostbusters. Williams‘ Artwork unterstreicht den realistischen Ansatz und ist dabei eine vorzeigbare, malerische Mischung aus Lee Bermejo (Batman: Joker) und Kevin Eastman, der den ganz frühen, rauen (Comic-)Ton der Turtles prägte.

Wer es etwas bunter, vielseitiger, spaßiger mag, der macht bei Ghostbusters/Turtles nicht viel verkehrt. Insbesondere wenn man bedenkt, das dort zwei humorreiche Gruppierungen aufeinandertreffen, die vom Spaßlevel her viel eher harmonieren als es die Turtles mit dem grimmigen Mitternachtsdetektiv tun. Letztes Szenario lebt doch gerade vom starken Kontrast der Figuren.

Zwei Crossover, die unterhaltsam, durchdacht und exzellenter Fanservice sind. Mehr kann man von Comic-Crossovern kaum erwarten.

Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles
Panini, 2016
Text: James Tynion IV
Zeichnungen: Freddie E. Williams II
Übersetzung: Carolin Hidalgo
140 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-7436-0034-0
Leseprobe
7von10Ghostbusters/Teenage Mutant Ninja Turtles
Dani Books, 2017
Text: Erik Burnham, Tom Waltz
Zeichnungen: Dan Schoening, Charles Paul Wilson III, Cory Smith
Übersetzung: Björn Steckmeier
132 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-95956-051-1
Leseprobe