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Androiden 2 – Glücklich wie Odysseus

Was kostet die Unsterblichkeit? Olivier Peru weiß es auch nicht genau, aber er stellt die Frage nach dem Wert des Lebens in Androiden 2 im Rahmen eines ebenso actionreichen wie rührenden Science-Fiction-Szenarios. Der zweite Band von Splitters vierteiliger Androiden-Reihe begeistert optisch wie erzählerisch.

Alle Abbildungen: © Splitter Verlag

Im Jahr 2426 hat das Forschungsschiff ISS Oxygen die Erde verlassen, um andere Sonnensysteme wissenschaftlich zu erkunden. Damit die 3.600-Mann-und-Frau-starke Besatzung nicht den interplanetaren Löffel abgibt, bevor sie irgendetwas Interessantes gesehen hat, werden die Raumfahrer in einen Kryoschlaf versetzt, der den Alterungsprozess zwar nicht verhindert, aber doch erheblich verlangsamt. Nach 300 Jahren kommt es zu einem Unfall an Bord der ISS Oxygen, und die gesamte Besatzung wird dahingerafft.

Die ganze Besatzung? Nein, ein kleiner Junge, der erst an Bord geboren wurde und die Erde daher noch niemals gesehen hat, überlebt das Unglück, weil der Gesellschaftsandroide, eine robotische Gouvernante, ihn retten kann. Der Androide mit reichlich Erzähl- und Unterhaltungstalent, AC7+, zieht Odysseus, so heißt der kleine Fratz, als elektronischer Ziehvater auf und bringt ihm allerlei bei. Sie brechen ihre Mission ab und kehren zur Erde zurück, aber der Rückweg wird 900 Jahre dauern – nix mit „Sind wir bald da?“. Da AC7+ darauf programmiert ist, das menschliche Leben zu bewahren, beschließt er, Odysseus in einen Kälteschlaf zu versetzen, damit dieser lebend zur Erde zurückkehren kann. Und da Kinder erst mit acht Jahren in Kryoschlaf versetzt werden dürfen, wartet AC7+ bis zu dessen achtem Geburtstag, bis er Odysseus in die Kammer steckt. Da ist aus dem kleinen Kind schon ein schlauer Junge geworden, und der hinterfragt, ob er wirklich sein ganzes Leben verschlafen wolle, um einen Planeten zu sehen, mit dem er nichts verbindet, der ihm keine Heimat ist. AC7+ verspricht ihm voll väterlicher Zuneigung, ihn alle zehn Jahre aufzuwecken, hält sich aber nicht an sein Versprechen, weil er sich Isaac Asimovs erstem robotischen Gesetz verpflichtet fühlt: „Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.“ Und hier sind wir mitten in dem Dilemma, das weder AC7+ noch wir auflösen können: Schützt er das Leben Odysseus‘, indem er ihn im Kälteschlaf leben, ihn aber nichts erleben lässt, oder nimmt er ihm damit nicht sogar jede Möglichkeit, ein selbsterfahrenes Leben zu führen? Sie erreichen schließlich die Erde, und dann beginnt der actionreiche Teil der Geschichte…

Dies ist der zweite Band in einer auf vier Bände konzipierten Reihe im Splitter Verlag. Das Konzept ist einfach: vier jeweils abgeschlossene Geschichten, vier unabhängige Künstlerteams, viermal Androiden. Im ersten Fall hat dies nur mäßig überzeugt, aber der zweite Band ist ein Volltreffer. Peru (Elfen, Zombies) hat diesmal eine Story entworfen, die zugleich spannend, bewegend und intelligent ist. Die Figurenzeichnungen von Geyser kommen reichlich großäugig daher, sind aber ausgesprochen gut geeignet, um die fremd gewordene Welt plastisch zu gestalten. Androiden 2 ist ein Comic, der unterhält und Spielraum für kontroverse Gespräche gibt, nicht nur über Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Welt, sondern auch über Glück und die Sorgen eines Vaters, der stets das Beste für seinen Sohn wünscht und nie weiß, ob er das Richtige tut.

Glücklich wie selten

9von10Androiden 2 – Glücklich wie Odysseus
Splitter, 2018
Autor: Olivier Peru
Zeichnungen: Geyser
Farben: Sébastien Lamirand
Übersetzung: Swantje Baumgart
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN: 978-3-958395695
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