Rezensionen
Schreibe einen Kommentar

A House Divided 1 & 2

Der Krieg ist seit neun Jahren vorbei und die Bewohner des Landes haben sich von seinen Schrecken erholt. Trotzdem gibt es immer noch Probleme, wie zum Beispiel das Haus des Zauberers Ornun Zol, das ohne einen Besitzer die kleine Stadt Malrenard in Angst und Schrecken versetzt. Aus diesem Grund lassen die Bewohner des Ortes das Mädchen Henrietta Achilles zu ihnen bringen. Sie soll das Erbe des Zauberers antreten, da sie seine Nichte ist und das Haus somit beruhigen kann. Zumindest erzählen die Malrenarder der jungen Frau das, als sie ihr die Schlüssel des verfluchten Hauses übergeben. Alle Verantwortung lastet damit auf ihren Schultern  und die ungebetenen Gäste, die bereits im Haus unterwegs sind, machen es nicht einfacher. Dabei handelt es sich um zwei sich bekriegende Parteien, die aus ganz eigenen Gründen versuchen, das Geheimnis des Hauses zu lösen­. Und laut sind diese Raufbolde auch noch. Schöner Mist.

Cover von A House Divided 2, © Carlsen Comics

A House Divided Band 1 und 2, sind der erste und mittlere Teil einer geplanten Trilogie von Autor Haiko Hörnig und Zeichner Marius Pawlitza, die ursprünglich als Onlinecomic gestartet ist. Pawlitzas Stil erinnert an moderne Zeichentrickserien und auch ein wenig an die Anime-Filme von Studio Ghibli. Prägnant einfach gehaltene Figuren bewegen sich vor detaillierten Hintergründen. Das Haus des Zauberers zum Beispiel ist ein gewaltiges Gemäuer, in dessen Eingangshalle ein ganzes Dorf hineinpassen könnte, das einen urwaldähnlichen Garten besitzt, während das Badezimmer wieder klein und gemütlich ist. Pawlitza erschafft damit ein Gebäude, in dessem Inneren alles möglich ist.

© Carlsen Comics

Diese Abwechslung findet sich auch in der Handlung wieder. Mit jedem Rätsel, das Henrietta löst, eröffnet sich ein weiteres und weder sie noch der Leser können erahnen, was als nächstes passiert. Es geht also durchweg spannend zu und die energiegeladenen Figuren fechten schlagfertige Dialoge aus, während sie sich bekämpfen oder voreinander flüchten. Die reichhaltige Action kommt aber ohne Brutalität aus. Damit ist A House Divided eine Comiclektüre, die auch für jüngere Leserinnen und Leser geeignet ist, die sich vor allem mit Hauptfigur Henrietta identifizieren können. Durch deren Entwicklung von einer schüchternen zur einer mutigeren und verantwortungsbewussten Person, wird die Geschichte noch um eine tiefere Ebene bereichert, zu der auch die beiden Nebenfiguren Flemming und Booner beitragen. Sie kämpften einst im Krieg, sind von diesem gezeichnet und versuchen beide auf ihre Art die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Ihre erwachsene Perspektive ergänzt die Geschichte um eine nachdenkliche Note, welche die Themen Verantwortung und Erwachsenwerden noch verstärkt.

© Carlsen Comics

A House Divided besitzt also alles, was man von guter Unterhaltung erwarten kann. Der einzige Kritikpunkt ist, dass das die Geschichte mit ihrem hohen Tempo und ihrer Energie besagte tiefere, ernstere Ebene oft einfach überrollt. Doch so schlimm ist das vielleicht gar nicht. Manchmal ist Spaß alles, was Leser brauchen, und Spaß macht A House Divided auch noch nach dem dritten oder vierten Lesen.

Rasant, spaßig und lebhaft: ein spannender Abenteuercomic, an dem ältere wie jüngere Leser ihre Freude haben werden.

8von10A House Divided 1 & 2
Carlsen Comics, 2016/2018
Text: Haiko Hörnig
Zeichnungen: Marius Pawlitza
96/112 Seiten, farbig, Softcover
ISBN: 978-3-551-71312-4 (Band 1), 978-3-551-71313-1 (Band 2)

Leseprobe Band 1
Leseprobe Band 2