Alle Artikel in: Rezensionen

Helden der östlichen Zhou-Zeit

Chen Uens Helden der östlichen Zhou-Zeit setzt sich mit einer kulturell bedeutenden Epoche in China auseinander, die als „Die Zeit der Streitenden Reiche“ in die Geschichtsbücher einging. Es ist die Epoche, in der der Kriegstheoretiker Sunzi Die Kunst des Krieges verfasste, ein Buch, das noch von Napoleon bewundert wurde und selbst heute noch einen großen Nachhall findet. Erst kürzlich griff der Autor Alexander Janni in seinem Roman Die französische Kunst des Krieges eine Anekdote daraus auf, die nun mit Chen Uens monumentaler Chronik auch in Comicform vorliegt: Darin wird erzählt, wie Sunzi seinem ungläubigen König beweist, dass man auch unerfahrene Hofdamen binnen einen Tages zum strammen Exerzieren bringen kann: Am ersten Tag lässt er sie marschieren und beobachtet deren albernes Getue und Disziplinlosigkeit, am Ende des Tages jedoch lässt er die beiden Lieblingskonkubinen des Königs köpfen, ernennt zwei neue Palastdamen zu Kompanieführern, und siehe da, am nächsten Tag hat er ein perfekt gedrilltes Heer von Hofdamen, die streng jeden Befehl verfolgen. Sicher, das ist ein Stoff, der auch das Herz eines Kim Jong Un höherschlagen …

Insel der Frauen

Die Story von Insel der Frauen hätte auch als eine rein erotische Fantasie umgesetzt werden können. Ja, sogar ein Porno hätte daraus erwachsen mögen. Aus der Grundidee, dass sich ein einzelner junger Mann auf einer ansonsten nur von Frauen bewohnten Insel befindet, hätte man einen endlosen Reigen sexueller Erlebnisse machen können. Die Schöpfer des Comics haben sich jedoch für einen anderen Weg entschieden. Die Story von Insel der Frauen hätte auch als eine rein erotische Fantasie umgesetzt werden können. Ja, sogar ein Porno hätte daraus erwachsen mögen. Aus der Grundidee, dass sich ein…

Batman/Turtles + Ghostbusters/Turtles

Als Kevin Eastman und Peter Laird vor 33 Jahren die im Untergrund lebenden, pizzaliebenden Teenage Mutant Ninja Turtles aus der Taufe hoben, waren sie wenig mehr als eine Parodie auf damals angesagte Kampfsporthelden. Kurz danach traten die aus den Comics stammenden Schildkröten eine multimediale Karriere an, die sie – in Form von Spielzeug und Zeichentrickfolgen – in unzählige Kinderzimmer einquartieren sollte. Und auch heute noch bestehen sie weiter und werden immer wieder in Kinofilmen, Comics oder Animationsserien präsentiert. Bei den beiden deutschen Verlagen Panini und Dani Books sind jüngst mit nur wenigen Monaten Abstand zwei Crossover-Comics veröffentlicht worden, in denen die Ninja Turtles auf vergleichbar bekannte Figuren treffen; zum einen DCs legendärer Superheld Batman, zum anderen die ebenfalls 33 Jahre alten Ghostbusters, deren aktuelle Comicserie wie auch jene der Turtles bei IDW erscheint. Als Kevin Eastman und Peter Laird vor 33 Jahren die im Untergrund lebenden, pizzaliebenden Teenage Mutant Ninja Turtles aus der Taufe hoben, waren sie wenig mehr als eine Parodie auf…

Die Judenbuche

„Jeder Mulitreiber hat an‘ Kugelschreiber aber unser einer, der hat nix, aber unser einer, der hat nix, aber unser einer, der hat nix“, so geht ein beliebtes bayerisches Spaßlied, das vor allem an Fasching gern gespielt wird. Das Stück geht mir regelmäßig in den Kopf, wenn ich mitbekomme, wie deutsche Comics und deren Förderpraxis gesehen werden. Neben Humor scheinen nur Eventcomics und Literaturadaptionen bei den Verlagen eine realistische Chance zu haben, denn man setzt auf vertraute Stoffe. Aber hat’s Amerika wirklich besser mit seinen endlosen Variationen von Zombies, Superhelden und Star Wars? Es scheint eben ganz so, dass jede Kultur ihre eigenen Irrwege fabriziert und pflegt. Und auch wenn man behauptet, dass mit jeder Adaption etwas originär Neues stirbt, so sollte man doch auch anerkennen, dass eine gelungene Adaption Freude bereiten und als eigenständiges Kunstwerk bestehen kann. „Jeder Mulitreiber hat an‘ Kugelschreiber aber unser einer, der hat nix, aber unser einer, der hat nix, aber unser einer, der hat nix“, so geht ein beliebtes bayerisches Spaßlied, das…

Wie nennen wir uns?

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sich gerade Independent Comics häufig aus dem persönlichen Erfahrungsschatz eines Künstlers speisen. Das kennt man von den autobiografischen Arbeiten von Künstlern wie Robert Crumb, Chester Brown oder Joe Matt und findet seine Entsprechung auch in den Reportagen von Joe Sacco, Guy Delisle oder Sarah Glidden, die ebenfalls ihre subjektiven Eindrücke zeigen, allerdings in einem weiter gefassten Kontext. Natürlich ist die Qualität dieser persönlichen Betrachtungen extrem unterschiedlich, aber eine Gemeinsamkeit haben sie alle: Die Künstler wollen ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit teilen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sich gerade Independent Comics häufig aus dem persönlichen Erfahrungsschatz eines Künstlers speisen. Das kennt man von den autobiografischen Arbeiten von Künstlern…

Roma 1: Der Fluch

Der Titel dieser neuen Serie, Roma, sagt eigentlich schon alles. Und wieder auch nichts. Durch ihn und das Cover werden im ersten Moment Erwartungen geweckt, dass es hier auf der Inhaltsebene um das antike Rom geht. Doch der erzählerischen Möglichkeiten gibt es viele, wenn man eine Serie einfach nur nach einer Stadt benennt, deren Geschichte Jahrtausende umfasst. Man ist also gespannt, welcher historischen Ereignisse sich das Künstlerteam annimmt. Der Titel dieser neuen Serie, Roma, sagt eigentlich schon alles. Und wieder auch nichts. Durch ihn und das Cover werden im ersten Moment Erwartungen geweckt, dass es hier auf der…