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Sláine 5 – Der König

Die britische Comicserie Sláine und der amerikanische Indie-Comic Love and Rockets, beide aus den 80er Jahren, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sláine ist – zumindest in seiner ursprünglichen Konzeption – kommerzielle, auf ihr jugendliches Publikum zugeschnittene „Sword and Sorcery“-Fantasy, Love and Rockets dagegen eine Independent-Reihe, bei der die Künstler zuallererst ihre persönliche Vision verfolgen und Wege abseits des Mainstreams gehen. Und doch gibt es eine verblüffende Parallele: Beide Reihen waren in ihren Anfängen alles andere als durchgeplant, vielmehr wurde zunächst munter drauflos erzählt, die erzählerischen Höhepunkte fanden in beiden Reihen erst nach mehreren Jahren Laufzeit statt. Was allemal besser ist, als nach einer spektakulären Exposition nicht zu wissen, was man eigentlich erzählen will.

Grün 1

Es ist eine seltsame Welt, in die wir hier geworfen werden: Es gibt dort Menschen und menschenähnliche Wesen, aber auch solche, die „Flachfische“, „Stabharpyen“ oder „Stelzenfischer“ heißen, dazu noch riesenhafte Transportwesen auf stelzenhaften Beinen, die sich wie große Schiffe durch eine Wüstenlandschaft bewegen. Haan heißt dieser Planet, ein ehemals florierendes Handelszentrum, inzwischen aber restlos ausgebeutet und kaum noch bewohnbar. Die ehemalige Hightech-Welt hat sich nach einem Krieg in ein post-technologisches Zeitalter zurückentwickelt. Und die wenigen verbliebenen Bewohner werden obendrein bedroht von einer sich rasch ausbreitenden Seuche, wild wuchernden Algen, die alle Pflanzen befallen. Das matschig-dunkle Grün dieser Wucherungen gibt dem Comic seinen Namen.

Don’t touch it!

Die Zeit ist dafür wohl reif. Auch die Horror-Buffs der 80er- und 90er-Jahre werden langsam alt und schwelgen immer mehr in Nostalgie und Kindheitserinnerungen. Vor zwei Jahren waren es Christopher Tauber und Ingo Römling, die uns ihre Gefühle fürs VHS-Jahrzehnt mit Survivor-Girl im stilechten Videokassetten-Design offenbarten, dieses Jahr legt Timo Grubing mit Don’t touch it! eine unheimliche Horrorerzählung nach, wiederum herausgegeben von Christopher Tauber, wie Survivor Girl ebenfalls im Zwerchfell-Verlag.