Alle Artikel in: Meinung

Why the violence? – Teil 1: Gedanken über Garth Ennis, Gott und Jim Steranko

Wie umfassend sich derzeit die Medienlandschaft ändert, lässt sich unter anderem daran erkennen, dass inzwischen Stoffe an den Mann bzw. die Frau gebracht werden, die früher nur ein Nischenpublikum erreicht hätten. Auch auf dem Land verfällt man mehr und mehr dem Nerd-Virus, und das nicht nur bezogen auf Big Bang Theory, Star Wars und das Marvel Cinematic Universe. Erst kürzlich wurde ich im beiläufigen Gespräch über Serien unter anderem auch auf Preacher angesprochen, wie schräg und abgefahren das doch sei und ob ich das kennen würde. Ich hätte nicht gedacht, dass die Entwicklung mich da so schnell überholt: Während Garth Ennis‘ und Steve Dillons blasphemischer Klassiker bei mir längst ad acta, sprich in Kisten auf dem Dachboden gelandet ist, ist die Reihe im Mainstream auf einmal der neue heiße Scheiß. Dabei hat sich Garth Ennis seit Preacher doch inzwischen sehr stark weiterentwickelt.

Topcomics 2016 – Unsere Favoriten des letzten Jahres

Wenn das alte Jahr vorbei ist, schauen wir traditionell zurück auf die besten Comics, die wir im vergangenen Jahr gelesen haben. Ein Teil der Comicgate-Autoren hat wieder ganz persönliche Listen mit Lieblingscomics des letzten Jahres zusammengestellt. Hier sind unsere Topcomics 2016 – mal mit, mal ohne Ranking.

Zwischen Kunstschutz und Jugendschutz: Über die Spruchpraxis der BPjM – Teil 2

Im ersten Teil des Artikels ging es um eine differenzierende und wohlwollende Entscheidung zu Ralf Königs Buch Bullenklöten. Ein 12er-Gremium, bestehend aus Mitgliedern der Bundesprüfstelle sowie Vertretern von Kunst, Literatur, Handel, Kirche und Ländern hat gezeigt, dass moderne Comics Kunst sein können. Dass bei vermeintlicher Gewaltverherrlichung die Urteilsverkündung anders ausfallen kann, zeigt indes die Verhandlung eines Comicbands der Reihe The Punisher, auf die ich im folgenden eingehen werde. Die Gewaltverherrlichung erschien hier so offensichtlich, dass man kein 12er-Gremium einberief, sondern zum Werkzeug des Schnellverfahrens griff.

Zwischen Kunstschutz und Jugendschutz: Über die Spruchpraxis der BPjM – Teil 1

„Keine Angst. Das ist nicht die Inquisition, die können auch zuhören.“ – Karl Nagel über die BPjM, nachdem sein Indie-Comicblatt Die oder Wir! vom Vorwurf der Jugendgefährdung freigesprochen wurde. „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“ – Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art. 5 Es gehört unter Comic-, Film- und Computerspielfans zu einer Art Common Sense, in der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) ein Feindbild zu sehen und deren Spruchpraxis als weltfremd abzukanzeln. Das war in den 1950er-Jahren so, als die damals auf Grund der Comic-Hatz eingeführte Behörde Sigurd- und Akim-Heftchen …

Als Batman mal auf Salman Rushdie traf

Derzeit lese ich Josef Anton, die sehr lesenswerte Autobiografie von Salman Rushdie. Das erinnert mich daran, dass 1997 in der Reihe Legends of the Dark Knight eine zwiespältige Batman-Story namens „Stories“ erschien, die auf den Fall Rushdie anspielte: Eine Gruppe von Terroristen – bei Batman sind es schlichtweg „Fundamentalists“ – hat den untergetauchten Schriftsteller Saul Fisher aufgespürt, der es wagte zu schreiben, dass die „Wahrheiten“ dieser Fundamentalisten nur Lügen seien. Aber Saul Fischer wird vom Autor der Batman-Story, Michael T. Gilbert, als unangenehmer Pedant gezeigt, der nur glaubt, was er mit eigenen Augen sieht.