Alle Artikel in: Hintergrund

„Om Tiddy Pom Pom“: Der Kriegscomic Charley’s War

1917, Westfront. Der Krieg ist festgefahren und die Soldaten desillusioniert. Ein britischer MG-Schütze schießt, ohne dabei etwas treffen zu wollen, in die Luft. Es klingt wie ein Marsch, „Om Tiddy Pom Pom“, was einen deutschen MG-Schützen anspornt, im selben Rhythmus aus seinem Gewehr eine Salve mit einem rhythmischen „Pom Pom“ nachzuschieben. Es handelt sich hier um nicht weniger als einen subversiven Akt im Ersten Weltkrieg. Trotzig versucht man, wenigstens mit den MGs noch eine Kontaktform jenseits des gegenseitigen Tötens, und sei es nur, um sich zu versichern, dass die feindlichen Soldaten eben doch auch Menschen sind, auch wenn die Heeresleitung etwas anderes behauptet und das gemeinsame Musizieren mit Waffen als Verbrüderung mit dem Feind selbstverständlich der Todesstrafe würdig ist.

Panik am Buchregal

Zensur und gesellschaftliche Hürden für Comics mit unterschiedlichen Sexualitäten und Geschlechtlichkeiten.   Comics mit queeren Inhalten hatten es immer schon schwer in Bibliotheken, analog wie digital. Selbst wenn es nicht um Sexualität, sondern wie meistens um Formen des Zusammenlebens geht, sind die Tugendwächter nicht weit. Comic-Geschichte ist immer auch Zensur-Geschichte.

Dagobert Ducks Unternehmensgeist und das Heute

Dem reichsten Enterich Entenhausens mangelt es kaum an Facetten ‒ was ihn nun zum Verständnis modernen Wirtschaftswesens umso erforschungswürdiger macht. Fiktion und Realität stehen sich häufig näher als zu erwarten – selbst in der kargen Wirtschaftslandschaft −, wie man im folgenden Beitrag zu zeigen wissen wird. Denn eigentlich bestehen kaum Zweifel daran, wie eine spontane Antwort auf die Frage nach dem wohl paradigmatischsten, alles übertreffenden Beispiel für Reichtumsverkörperung lauten könnte. Nicht die Könige Midas und Krösus würden vorkommen, aber ein „Mann“ würde es fast immer bis auf das Siegertreppchen schaffen: Dagobert Duck. Bei einem Anflug von Skepsis versuchen Sie es am besten gleich bei Ihrem Gesprächspartner ‒ Sie werden staunen. Trotz legendärem Status wird die Comicfigur aus Carl Barks’ Feder (Jahrgang 1947) zumeist nur als solche wahrgenommen, ohne sich ihrer besonderen Komplexität (und Lehrfähigkeit im Heute) zu versehen. Nun ja, Launenkapriolen, der ausgesprochene Hang zu Dumpinglöhnen (wenn überhaupt) oder totalisierende Knauserigkeit trotz unaussprechlichen Vermögensbeständen zählen nicht unbedingt zur positiven Hinterlassenschaft an die Nachfahren. Abgesehen davon sind die literarisch hochkarätigen Inspirationsquellen (z. B. Ebenezer Scrooge aus …

Männerfleischberge und viel, viel Sex: Gay Manga

Dass schwuler Manga sich nicht auf das eigentlich an Frauen gerichtete „Boys‘ Love“-Genre mit seinen androgynen Figuren beschränkt, ist der Internetgemeinde aufgrund illegaler Scanlations schon geraume Zeit bekannt. Doch übersetzte Lizenzausgaben ließen lange auf sich warten. Anlässlich der Veröffentlichung der Gay-Manga-Anthologie MASSIVE beim US-Verlag Fantagraphics im letzten Jahr und der noch jungen, ebenfalls ins Englische übertragenen Gay-Manga-Reihe beim deutschen Verlag Bruno Gmünder werfen wir einen Blick auf die schwule Mangaszene und ihre Akteure. Los geht es mit Michel Decomains Hintergrundbericht zur MASSIVE-Anthologie, gefolgt von Rezensionen der bisher bei Gmünder erschienenen Manga.