Autor: Jons Marek Schiemann

Teufelsmaul

Teufelsmaul ist eine weitere Zusammenarbeit des französischen Zeichners François Boucq mit dem amerikanischen Schriftsteller Jerome Charyn, die im Jahr 1990 erstmals erschien. Beide haben zusammen schon den faszinierenden und surrealen Band Die Frau des Magiers (1986) sowie Little Tulip (2014) geschaffen. Vor allem Die Frau des Magiers überraschte in dem Œuvre der beiden, da dieser Comic mit seiner traumhaften Atmosphäre, die schnell in einen Alptraum kippen konnte, doch recht ungewöhnlich aufgezogen war. Boucq arbeitet zwar manchmal auch im Grenzbereich der Fantasy, hat aber eher ein Händchen für realistische Stoffe (wie man etwa bei Bouncer gut beobachten kann, wo ihm immer wieder schöne Bilder in einer brutalen Saga einfallen). Charyn hingegen ist ein Krimiautor, dessen Bronx-Tetralogie frischen Wind in den Thriller brachte und teilweise auch als Comic adaptiert wurde, wie etwa Marilyn the Wild. Oft verweigert sich Charyn den gängigen dramaturgischen Mustern, wie etwa im Roman Blue Eyes, und lässt damit den Leser einerseits im Regen stehen, macht ihn aber andererseits immer neugierig, was da wohl noch kommen mag. Teufelsmaul ist eine weitere Zusammenarbeit des französischen …

Sykes

Die Story ist nicht gerade neu: Sykes ist ein legendärer Marshall, der eine Gangsterbande verfolgt. Auf dem Weg zu einer Stadt kommt er an einer kleinen Farm vorbei, auf der ein Junge wohnt, der, geprägt von den Legenden, die sich um Sykes ranken, voller Bewunderung für den Marshall ist. Später schließt er sich ihm und zwei weiteren Männern an, um die Gangster zur Strecke zu bringen. Dabei muss er erkennen, dass die Wirklichkeit wenig mit den Geschichten aus den Groschenheften zu tun hat. Die Story ist nicht gerade neu: Sykes ist ein legendärer Marshall, der eine Gangsterbande verfolgt. Auf dem Weg zu einer Stadt kommt er an einer kleinen Farm vorbei, auf der…

Stonehenge 1 – Erin

Bei einer neuen Comicserie mit dem simplen Titel Stonehenge könnte man eigentlich alles erwarten. Schließlich ranken sich um den berühmten Steinkreis so manche Legenden, die immer wieder auch die wissenschaftlichen Betrachtungen und Forschungen vernebeln. Manchmal wird der Mythos gegenüber der Realität und den Fakten bevorzugt. Dabei hilft es der Fantasie, dass wissenschaftlich immer noch nicht alles um die Brocken im Süden von England aufgeklärt ist. Manche versteigen sich sogar in bester Erich-von-Däniken-Manier darin, dass die Steine von Außerirdischen aufgestellt worden seien, als ob das ein interplanetarer Raumhafen gewesen sei. Liegt hier also nun ein Science-Fiction-Comic vor? Nein, da können die Leser beruhigt sein. Handelt es sich um Fantasy? Hmm, vielleicht. Jedenfalls sind im Auftaktband keine typischen Elemente des Genres wie Fabelwesen oder Magie zu entdecken. Gleichzeitig werden aber einige Weichen gestellt, welche durchaus in diese Richtung führen könnten. Gegen Ende ist jedenfalls von einem mächtigen Schwert und einem ominösen Tor die Rede. Am besten lässt sich Stonehenge ins Genre des Historiencomics einordnen. Bei einer neuen Comicserie mit dem simplen Titel Stonehenge könnte man eigentlich alles erwarten. Schließlich ranken sich um den berühmten Steinkreis so manche Legenden, …

Der Fluch der Spindel

Bei manchem potenziellen Leser stellen sich die Ohren auf und die Augen weiten sich vor Vergnügen, wenn ein neuer Band von Neil Gaiman angekündigt wird. Schließlich ist der Brite nicht nur ein erfolgreicher Autor von Romanen und Kurzgeschichten, er schuf mit Sandman auch eine der besten Comicserien aller Zeiten. Auch seine sonstigen Ausflüge in den Comicbereich sind hoch angesehen und werden teilweise geradezu kultisch verehrt. So schuf er unter anderem Die Bücher der Magie und Graphic Novels wie Signal to Noise, Mr. Punch und Violent Cases. Auch bei den Superhelden tobt er sich immer wieder mal aus und scheut sich auch nicht, mal einen Helden in Miniserien wie Black Orchid sterben zu lassen. Immer konnte man von ihm etwas Unerwartetes erwarten. In den letzten Jahren hat er sich, abgesehen von der Sandman Ouvertüre, im Comicbereich recht rar gemacht, die meisten „Gaiman-Comics“ waren Adaptionen seiner Kurzgeschichten und Romane. Auch Der Fluch der Spindel war ursprünglich eine Kurzgeschichte, die 2013 in der Antholgie Rags & Bones erschien. Bei manchem potenziellen Leser stellen sich die Ohren auf und die Augen weiten sich vor Vergnügen, wenn ein …

Königliches Blut: Isabella – Die Wölfin von Frankreich 1

Die neue Reihe Königliches Blut besitzt einen lobenswerten konzeptuellen Ansatz, der bislang oft vernachlässigt wurde – nicht nur in Comics und anderen Medien, sondern durchaus auch in der Geschichtsschreibung selber. Das gilt besonders für gekrönte Häupter: Von wenigen Königinnen abgesehen, wie etwa Elizabeth I. von England, Kleopatra oder Maria Stuart aus Schottland, stehen die Frauen fast immer im Schatten ihrer Männer und geraten selten in den Fokus der Öffentlichkeit oder gar der Historiker. Wer kennt die Ehefrauen der römischen Cäsaren? Oder diejenige von Karl dem Großen? Man könnte höchstens noch die Gattinnen des englischen Königs Heinrich VIII. aufzählen (wenn man die Serie Die Tudors gesehen hat). Dabei traten je nach historischer Situation die Frauen immer wieder gleichbedeutend neben ihre gekrönten Gatten. Wie etwa Isabella von Spanien, die Medicis in Frankreich zu Zeiten der Hugenottenkriege, Lucrezia Borgia in Italien oder auch Maire Antoinette zu Beginn der französischen Revolution. Sie alle spielten eine besondere Rolle, doch ansonsten verschwinden die Frauen oft in den Tiefen der Historie. Die neue Reihe Königliches Blut besitzt einen lobenswerten konzeptuellen Ansatz, der bislang oft vernachlässigt wurde – nicht nur in Comics und anderen …

Low 1 – Stadt ohne Hoffnung

Es mag sehr zynisch klingen, aber manchmal drängt sich der Gedanke auf, dass Künstler ihre Macken behalten sollten, um produktiv zu bleiben. So kann man durchaus behaupten, dass die Heavy-Metal-Truppe Metallica keinen guten Song mehr geschrieben hat, seit Sänger und Gitarrist James Hetfield aufgehört hat zu trinken. Was wäre ein Bukowski ohne seinen Suff, Hemingway ohne seine Jagd und ein Hitchcock ohne seinen Voyeurismus? Nun kann man den amerikanischen Comicautor Rick Remender nicht unbedingt mit solchen Größen unter den Kulturschaffenden vergleichen, zu sehr ist er im Genre verankert, aber man bemerkt zur Zeit eine deutliche Verschiebung seines Oeuvres. Was an sich nicht verkehrt wäre, wenn es denn nicht so aufdringlich ausfallen würde. Es mag sehr zynisch klingen, aber manchmal drängt sich der Gedanke auf, dass Künstler ihre Macken behalten sollten, um produktiv zu bleiben. So kann man durchaus behaupten, dass die Heavy-Metal-Truppe…