Autor: Christian Muschweck

Schappi

Am ersten Juli jeden Jahres öffnet die Herrin der am Berg gelegenen „Halle der edlen Schnitzwerke“ ihre Pforten für die armen Künstler, die das ganze Jahr über im Tal in aufgekratzter Stimmung nach Ausdruck und Relevanz streben. Einmal im Jahr dürfen diese ihre Werke ausstellen. Die meisten findet sie lächerlich. Einige behält sie aus Mitleid.

Vatermilch

Rufus Himmelstoß – fortan „der coole Hund“ genannt – weiß, wie man die Menschen einwickelt. Tagsüber beglückt er einsame Hausfrauen als Vertreter einer Markisenfirma, abends vermehrt er sein Geld beim Poker und prahlt mit seinen Affären. Um skrupellose Summen wird da gezockt. Mit einem Full House will der coole Hund seinem Spezl mal eben 3000 DM aus der Tasche leiern, der aber hat vier Damen, worauf dem coolen Hund das Gesicht runterfällt. Zahlen? Kann er nicht. Anschnorren muss er seinen Kumpel und um Zahlungsaufschub betteln. Das ist aber gar nicht cool.

Hexen hexen

Hexen, sagt die Großmutter zu ihrem Enkel, gibt es in allen Ecken der Welt. Sie sind ganz normal angezogen und haben Freunde und normale Berufe, weshalb sie nur schwer zu erkennen sind. Was sie alle gemeinsam haben, ist ihr abgrundtiefer Hass auf Kinder. Man erkennt Hexen an ihren Händen, denn sie haben Krallen und krumme Finger, weswegen sie immer Handschuhe tragen. Außerdem sind Hexen kahl und tragen daher stets Perücke. Das Jucken auf der Kopfhaut treibt sie in den Wahnsinn. Ihre Nasenlöcher sind gewellt, damit sie Kinder besonders gut riechen können. Eine Hexe denkt nur an das eine: Möglichst viele Kinder verschwinden zu lassen, auszulöschen und zu zermalmen. Hexen nehmen immer die Gestalt einer Frau an. Das ist eben so. Vampire und Werwölfe sehen aus wie Männer. Hexen sehen aus wie Frauen.

Alan Moores „Tom Strong“ – More to the picture than meets the eye

Von „Suspension of Disbelief“ spricht man, wenn der Betrachtende eines Films oder eines Comics aufhört, die Wahrscheinlichkeit des Gezeigten zu hinterfragen und sich stattdessen völlig der Illusion des Augenblicks hingibt. Menschen können fliegen? Akzeptiert. Ein Affe kann sprechen? Wenn’s dem Frohsinn dient …! Aber Alan Moore verlangt den Leser*innen seiner Serie Tom Strong von 1999 eine wirklich unerhörte Packung „Suspension of Disbelief“ ab – mehr als man bereit ist zu geben. Auf künstlerischer Seite jedoch ist die Reihe ein Gewinner und Zeichner Chris Sprouse wird wohl auf ewig mit dieser Serie in Zusammenhang gebracht werden. So eine kongeniale Symbiose zwischen Skript und Artwork wird für Sprouses speziellen Stil vielleicht kein weiteres Mal möglich sein. Die Story selbst dagegen macht einen zunächst ratlos.