Autor: Christian Muschweck

Hexen hexen

Hexen, sagt die Großmutter zu ihrem Enkel, gibt es in allen Ecken der Welt. Sie sind ganz normal angezogen und haben Freunde und normale Berufe, weshalb sie nur schwer zu erkennen sind. Was sie alle gemeinsam haben, ist ihr abgrundtiefer Hass auf Kinder. Man erkennt Hexen an ihren Händen, denn sie haben Krallen und krumme Finger, weswegen sie immer Handschuhe tragen. Außerdem sind Hexen kahl und tragen daher stets Perücke. Das Jucken auf der Kopfhaut treibt sie in den Wahnsinn. Ihre Nasenlöcher sind gewellt, damit sie Kinder besonders gut riechen können. Eine Hexe denkt nur an das eine: Möglichst viele Kinder verschwinden zu lassen, auszulöschen und zu zermalmen. Hexen nehmen immer die Gestalt einer Frau an. Das ist eben so. Vampire und Werwölfe sehen aus wie Männer. Hexen sehen aus wie Frauen.

Alan Moores „Tom Strong“ – More to the picture than meets the eye

Von „Suspension of Disbelief“ spricht man, wenn der Betrachtende eines Films oder eines Comics aufhört, die Wahrscheinlichkeit des Gezeigten zu hinterfragen und sich stattdessen völlig der Illusion des Augenblicks hingibt. Menschen können fliegen? Akzeptiert. Ein Affe kann sprechen? Wenn’s dem Frohsinn dient …! Aber Alan Moore verlangt den Leser*innen seiner Serie Tom Strong von 1999 eine wirklich unerhörte Packung „Suspension of Disbelief“ ab – mehr als man bereit ist zu geben. Auf künstlerischer Seite jedoch ist die Reihe ein Gewinner und Zeichner Chris Sprouse wird wohl auf ewig mit dieser Serie in Zusammenhang gebracht werden. So eine kongeniale Symbiose zwischen Skript und Artwork wird für Sprouses speziellen Stil vielleicht kein weiteres Mal möglich sein. Die Story selbst dagegen macht einen zunächst ratlos.