Autor: Christian Muschweck

Rocky Beach

Rocky Beach ist auch nicht mehr das, was es mal war. Vor 20 Jahren noch haben hier die drei jungendlichen Detektive Justus, Peter und Bob die schönsten Kriminalfälle gelöst, heute ist es ein ödes Nest, in dem man nachts besser nicht alleine auf die Straße geht. Auf dem ehemaligen Schrottplatz vom alten Titus Jonas, auf dem die drei Detektive in einem Wohnwagen ihre Zentrale hatten, hat sich längst eine Drogengang eingerichtet und trotzdem trägt die Polizeipräsenz nicht dazu bei, dass man sich sicher fühlt. Zu Fuß auf der Straße unterwegs zu sein, kann bereits ausreichen, um verdächtig auszusehen.

„Just a few cops!“ – Vor 25 Jahren erschienen die ersten Preacher-Hefte

Kommt der Dorfpfarrer Samstagabend sternhagelvoll in die örtliche Kneipe und pöbelt: He Wirt, ich weiß, dass du dein Bier mit Wasser verdünnst. Und du, Mark Bannon, hast doch kürzlich Hundescheiße probiert, ich weiß das, denn du hast es mir gebeichtet. Hey, Harvey, was machst du eigentlich mit deiner Knete? Kate hat doch kürzlich in deiner Scheune diesen Porno mit dem Hengst gedreht, oder? Und da drüben ist doch Terry, der die Anhalterin vergewaltigt hat … ZACK, kriegt er nun endlich einen Billardqueue über den Schädel und wird rausgetragen. Schöner Auftakt. So fängt Garth Ennis‘ Serie Preacher von 1995 an.

Der freie Vogel fliegt – Band 4-6

„Süßer Vogel Jugend“ denkt man oft verklärend, wenn man das Treiben junger Menschen beobachtet. Dabei gibt es wohl keine Lebenphase, die den Menschen vor ähnlich komplexe Aufgaben stellt, wie die Jugend. Der Gedanke, Schule wäre ein Safe Space, an dem die Kinder auf das Leben vorbereitet werden, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, ist wohl der größte Irrtum unserer Zeit. Als ob Mobbing, Leistungsdruck, Versagensängste und der tägliche Kampf ums Standing in der Klassenordnung keine existentiellen Nöte wären.

The Future, buried! – Jamie Delanos wilde und visionäre Version von Animal Man

Vergesst Preacher, Invisibles, 100 Bullets oder Fables. Die wirklich visionären Titel des legendären Vertigo-Imprints von DC Comics kommen aus der zweiten Reihe. Damals, 1992 bis 1994, als der britische Autor Jamie Delano die Reihe Animal Man prägte, mag es noch so ausgesehen haben, als erzähle Delano uns von einem rückwärtsgewandten Hippie-Traum. Aber Delano und sein kongenialer Zeichner Steve Pugh lieferten visionäre Bilder und Themen, die in der Rückschau wie eine Vorwegnahme dessen wirken, was uns heute tagtäglich beschäftigt. Dabei haben die Figuren nicht mal Smartphones.