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Währenddessen… (KW36)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Niklas: Manchmal möchte ich einfach nur Spaß haben. Zum Glück habe ich mir letztes Jahr alle englischsprachigen Bände des Manga Blood Blockade Battlefront gekauft. Hinter dem sperrigen Titel, verbirgt sich eine der kreativsten Serien, die ich je gelesen habe. Worum geht es? Eine Katastrophe hat New York für immer verändert. Jetzt leben Menschen, Aliens und Dämonen in einem fragilen Frieden nebeneinander, während die Unterwelt von Gangstern und Vampiren beherrscht wird. Die haben Zugriff auf Massenvernichtungswaffen und gefährliche Magie und drohen die Welt im Stundentakt an den Rand der Vernichtung zu treiben. Die Geheimorganisation Libra hat es sich zur Aufgabe die Pläne der Bösewichte zu durchkreuzen und sind dabei sogar gut in dem was sie tun. Kollateralschäden gibt es trotzdem genug. Ups.

Autor und Zeichner Yasuhiro Nightow (Trigun und Tribun Maximum) hat sichtlich Spaß daran seine kleine Welt nach und nach aufzubauen. Neben den üblichen Todesmaschinen (darunter ein sprichwörtlicher Monstertruck), lernt der Leser wie die außerirdische Küche die Umgebung beeinflusst, die Polizei auf nichtmenschliche Verbrechen reagiert (Gewalt ist immer eine gute Lösung) und wie es wäre wenn ein einfacher Bürger von der Größe Godzillas durch die Straßen marschiert (keine Versicherung übernimmt den Schaden, wen jemand sein Auto unter seinem Fuß parkt). Das Ganze würzt der Mangaka mit viel schwarzen Humor und da das Cast groß genug ist, sollte für jeden Leser zumindest ein Charakter vorhanden sein, der einen ans Herz wächst. Und sei es auch nur wegen der albernen Namen (Klaus Von Reinherz, hihi). Ein Problem gibt es aber doch: es gibt keinen richtigen Plot. Zwar wird in den bisher herausgebrachten Bänden immer wieder eine größere Handlung angedeutet, aber Nightow erzählt dann doch viel lieber kleinere Geschichten mit viel Action und vielen beknackten Ideen, die gleichzeitig auch wieder herzerwärmend sein können. Ich zumindest hätte nie gedacht, dass mich die Geschichte um einen Hamburger liebenden Pilzmenschen rühren würde. Andererseits sind Kurzgeschichten auch wieder eine Kunst für sich und so braucht niemand Angst haben ohne Vorwissen in eine größere Geschichte zu stolpern. Ich für meinen Teil vertiefe mich gerne in den teilweise hektischen und detaillierten Bildern Nightows und bin sehr darauf gespannt, was nach dem menschenfressenden Monsterstruck und Hamburger liebenden Pilzmenschen noch so kommt.Vorausgesetzt, Dark Horse Comics übersetzt irgendwann die restlichen Bände. Drei wären es noch. Zum Manga gibt es außerdem noch eine Anime-Serie, die eine durchgehende Handlung erzählt und auch etwas Tiefe in die Konzepte der Serie bringt. Das ist immer schön und macht mir immer Spaß. Blood Blockade Battlefront soll übrigens auch bald auf deutsch erscheinen.

Daniel: Und gleich noch ein Manga. Doch I am a Hero funktioniert ein bisschen anders als Blood Blockade Battlefront. Na gut, Kengo Hanazawas Manga funktioniert komplett anders. Statt Superhelden gibt es nur Hideo Suzuki. Hideo ist Mangazeichner. Na gut, Hideo war Mangazeichner. Nachdem sein Erstlingswerk Uncut Penis nicht wirklich gut angenommen wurde, schuftet er jetzt nur noch Assistent und tuscht die Seiten anderer Zeichner im Akkord. Ähnlich wie Managaka Inio Asano (Gute Nacht PunPun) macht Hanazawa seinen Helden nicht zum Rollenmodel, nicht zum Halbgott, sondern zu einem Jedermann. Hideo arbeitet, geht nach hause, trifft seine Freundin, und arbeitet weiter.

Bis die Zombie-Apokalypse losbricht.

I am a Hero

I am a Hero © Kengo Hanazawa

Dann arbeitet Hideo, geht nach hause und trifft seine Freundin. Die ist mittlerweile zum Zombie mutiert. Diese eine Szene, das Aufeinandertreffen von Hideo und seiner jetzt Zombie-Freundin Tekko zeigt alle Stärken des Manga. Was Hanazawa bei der Begegnung gelingt, ist magisch: Der Mangaka zeichnet seinen Helden als naiven Verlierer, der mit dem Kopf in Tekkos Wohnungstür feststeckt, während sie versucht, ihn zu beißen. Ein ganzes Kapitel dauert dieser perverse Liebeskampf an. Und während der Leser bereits verstanden hat, dass Tekko ihn auf keinen Fall beißen darf, versteht Hideo überhaupt nichts. Erst nach mehreren Seiten setzt plötzlich die Erkenntnis ein. Hideo realisiert zwar nicht, dass Tekko ein Zombie ist, aber dass sie ihn wirklich liebt. Ihn, Hideo. I am a Hero ließe sich leicht als japanischer Zombieklon von Shawn of the Dead abstempeln, wäre da nicht eben dieser liebevolle Umgang mit seinem Protagonisten. Ebenso wie Asano gelingt es Hanazawa Manga neu zu erfinden. Weg von allen Klischees, weg von Dämonen und Superhelden, weg von allem Niedlichen. Hin zu einer unzensierten Sicht auf uns langweilige, dumme, perverse, einfältige Menschen, die wir in unserem Herzen doch so liebenswert sind.

I am a Hero ist Humanismus in Reinform – und mit Zombies.

Was habt ihr diese Woche gekauft, gesehen, gelesen, gespielt? Postet eure Bilder, Geschichten und Links einfach in die Kommentare.