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Währenddessen … (KW 20)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Daniel: Da bin ich wieder. Eigentlich wollte ich euch nach meinem langen Urlaub in Mexiko von Buch zwei und drei der Lev Grossmann Trilogie The Magicians erzählen und wie sich die aktuelle zweite Serienstaffel in das Universum perfekt einfügt. Aber kurz nach meiner Ankunft habe ich American Gods dann gesehen. Die einzige Serie, die ich derzeit uneingeschränkt empfehlen kann. Vorab muss ich erwähnen, dass ich das Buch von Neil Gaiman nie gelesen habe. Und trotzdem haben mich die ersten drei Folgen stark beeindruckt. Warum ist das so? American Gods ist dichter als jede andere Fernsehserie. Mit dicht meine ich nicht mysteriös wie Lost oder Twin Peaks (letztere startete gestern nach 25 Jahren ihr Comeback). Nein, American Gods ist dicht wie ein Roman. Immer wenn ich zehn Minuten gesehen habe, fühle ich den Drang zehn Minuten zurückzuspulen, um noch mal genau zu durchdringen, was ich da gerade gesehen und gehört habe. American Gods fühlt sich so an, wie ich mir Sandman als Fernsehserie wünschen würde: Die Erzählung schüttet mich mit Figuren und diversen Plotsträngen zu. Dies ist keine einfach zu schauende Serie und ich erwarte nicht, dass jede Handlung auserwählt wird. Ich erwarte von guter Literatur und auch von guten Filmen und Serien, dass sie mich fordern, mitzuarbeiten und mich zum Nachdenken anregen. Und ich erwarte, russische Männer mit Bärten und fetten Hämmern aus denen Blut quillt.

Gerne würde ich den Plot der Serie zusammenfassen, aber ich weiß leider noch nicht, worum es geht. Müsste ich nacherzählen, worum es geht, würde ich wohl sagen, dass die alten Götter und Mythenwesen versuchen, in der neuen Welt, in Amerika, zu überleben. Das wird aber nur funktionieren, wenn Menschen weiterhin an sie glauben und sie anbeten. Im Gegensatz zu der Verseriung von Preacher, die sehr plump daherkommt, stört es mich bei American Gods nicht, dass ich ins Ungewisse steuere. Denn während Preacher erst in der zweiten Staffel ein Road Movie wird, findet in American Gods die Heldenreise von Protagonist Shadow Moon bereits zum Auftakt statt. Einen kleinen Hinweis noch: Lasst euch zu Anfang bitte nicht von der ersten Vorgeschichte und ihren mittelmäßigen CGIs abschrecken, die grandiose Prelude zur zweiten Folge macht das alles wieder gut.

Christian: Das neue amerikanische Walt Disney’s Comics and Stories-Paperback von IDW konnte ich unmöglich im Shop liegenlassen, dafür habe ich mich beim Durchblättern zu sehr in die Panels der Story Night of the Living Text verguckt; eine schöne Metaerzählung, in der die gelben Erklärtexte, unter anderem unser geliebtes Meanwhile, ein Eigenleben entwickeln und der Erzählung so einen bestimmten Verlauf aufzwingen. Die Story ist von Andrea „Casty“ Castellan, einem der besten derzeitigen Mauszeichner. Auch in Deutschland ist Casty glücklicherweise kein Unbekannter. In der neuen Maus-Edition mit dem Titel Mickys große Abenteuer findet man seinen epischen Dreiteiler Das ewige Imperium, der alleine die Anschaffung des Taschenbuchs wert ist (deutsche Erstveröffentlichung). Auch das restliche Taschenbuch ist ordentlich bis gut zusammengestellt und schließt mit einer der besten Stories von Romano Scarpa: Micky in der Vierten Dimension. Diese Geschichte kennen wir bereits aus dem Taschenbuch Ein Fall für Micky (Lustiges Taschenbuch Nr. 76), für Fans der klassischen Stories von Romano Scarpa sicher eines der besten Bücher der Reihe.

Eine weitere sehr erfreuliche Disney-Veröffentlichung des letzten Monats war mal wieder das Magazin Micky Maus Comics, denn es enthält die Erstveröffentlichung einer langen Supergoof-Story von Paul Murry: Der seltsame Fall des Doktor Ticktack. Kein Wunder, dass diese Geschichte noch nie in Deutschland gebracht wurde, denn die Art und Weise, wie besagter Doktor Ticktack mit Bomben und Pistolen umgeht, ist tatsächlich ein bisschen roher als sonst. Dramatischer Höhepunkt: Micky wird aus einem fliegenden Flugzeug geworfen und vom zufällig vorbeischwirrenden Supergoof gerettet. Brutal. Tatsächlich ist die Story mit ihren wechselnden Schauplätzen ebenso poetisch wie wendungsreich. Klare Empfehlung.

Nur das Donald Duck Sonderheft bleibt überraschungsarm und ist sich dennoch nicht zu blöde, mal wieder zu betonen, wie unbeliebt Micky Maus im Gegensatz zu Donald Duck ist. Dabei geht’s aber gar nicht um das Donald Duck Sonderheft – was man noch verstehen könnte, darin hatte die Micky Maus noch nie einen Platz. Stattdessen steht mal wieder das Schwestermagazin Magazin Micky Maus Comics zur Diskussion. Folgendes schreibt die Redaktion auf der Leserbriefseite: „Den Micky-Anteil in MMC zu erhöhen, würde vermutlich die recht zahlreichen Micky-Gegner (z.B. besagte Donaldisten) unter den Lesern verärgern.“ Da ist der Redakteur aber gleich mehrfach auf dem Holzweg, denn erstens ist „vermutlich“ keine ordentliche Grundlage für eine grundsätzliche Entscheidung und zweitens sind Donaldisten nur der reinen Lehre von Barks und Fuchs verpflichtet.

Eigentlich sollte Donaldismus doch ein zweckfreies Vergnügen sein. Ich finde es ja auch toll, sich mit vollem Ernst in solche Projekte wie den Donaldismus zu werfen. Wenn aber der Donaldismus dazu missbraucht wird, die Micky Maus aus möglichst vielen Publikationen zu drängeln, dann ist das erstens gar nicht lauter und zweitens nicht im Sinne guter Comics. (Außerdem sollte nicht immer nur auf die hören, die am lautesten schreien.) In der Hoffnung, dass sich hier einmal etwas bewegt, unterzeichne ich mit dem eigens dafür gebildeten Akronym M.A.U.S. (Maximale Ablehnung Unlauteren Snobismus).

Daniel: Eine Empfehlung aus meinem Urlaub möchte ich dennoch an alle weitergeben, die mit ihrem Partner eine Reise machen und ein Tablet besitzen: Nämlich Potion Explosion als App (iOS und Android). Ursprünglich als Brettspiel gestartet, hat es diese Abwandlung von Candy Crush aufs Tablet geschafft. Nicht abschrecken lassen! Bei Potion Explosion gibt es keine In-App-Käufe. Im Spiel versuchen zwei bis vier Nachwuchsmagier verschiedenste Tränke zu brauen. Dazu nehmen sie eine kugelförmige Zutaten aus einer von fünf Reihen. Klickt man eine Kugel an, kommt sie ins eigene Reservoir. Alle anderen Kugel fallen nach und treffen dabei zwei gleiche aufeinander explodieren sie und kommen auch in den Vorrat. Kettenreaktionen erwünscht. Die unterschiedlichen Tränke können, sobald sie gebraut sind, auch gleich eingesetzt werden, um weitere Effekte auszulösen.

Ich habe Potion Explosion nur zu zweit gespielt und bin wahrscheinlich auch zu ungeduldig, um auf zwei oder drei Mitspieler zu warten. Aber für eine lange Busfahrt oder einen Flug ist die Pass-and-Play-Funktion perfekt. Einen Zug machen, Tablet weiterreichen und schmunzeln, wenn der Partner den neuen Punktestand sieht. Das ist vor allem dann lustig, wenn man mit dem Elixir der blinden Liebe dem Nebenmann/frau ein paar aufgesparte Zutaten stibitzt hat.

Was habt ihr diese Woche gekauft, gesehen, gelesen, gespielt? Postet eure Bilder, Geschichten und Links einfach in die Kommentare.