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Währenddessen … (KW 6)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Christian: Ja klar. Alfred Hitchcock war ein Genie, ich weiß. Warum aber nur verspüre ich seit meiner Jugend eine Aversion gegen Hitch? Offensichtlich habe ich ihn über die falschen Filme kennengelernt. Zum Beispiel Frenzy, der sicher nicht zu seinen besten zählt. Oder Marnie. Viel zu melodramatisch. Auch Vertigo, der immer wieder zu den besten Filmen aller Zeiten gewählt wird, nervt eher mit Symbolik und Kunstanspruch, als dass er mich begeistert, und  Die Vögel ist ja wohl zuallererst ein alberner Monsterfilm, der nur hochgejubelt wird, weil er von Hitch ist. Und dass er Tippi Hedren während der Dreharbeiten so schäbig behandelt hat, steigert seine Sympathiewerte auch nicht unbedingt. Bei Der Unsichtbare Dritte wird’s kritisch: Einerseits kommt der Film der filmischen Entsprechung eines Tim und Struppi-Comics ziemlich nah, das ist natürlich schön, aber irgendwie will mir der Film auch ständig sagen, wie brillant Hitchcock das alles mal wieder gemacht hat.

Einen ganz anderen Eindruck hinterlassen dagegen seine frühen Filme, beispielsweise Die 39 Stufen von 1935. Der Film erzählt fast die gleiche Story wie 23 Jahre später Der Unsichtbare Dritte, aber er ist dabei viel unverkrampfter, leichter und lustiger. Letzten Freitag war ich bei den Nürnberger Philharmonikern und habe die Stummfilmversion des Hitchcock-Films Blackmail von 1929 gesehen. Von Blackmail existiert auch eine Tonfilmfassung, aber vielen gilt die Stummfilmversion als die stimmigere. Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Frau, Alice, versetzt ihren Freund, einen Scotland Yard-Polizisten, und lässt sich stattdessen auf ein Abenteuer mit einem Künstler ein. Zunächst herrscht heitere Verliebtheit zwischen den beiden und man macht allerhand lustige Sachen miteinander, aber als der Künstler zudringlich wird und Alice vergewaltigen will, ersticht sie ihn in Notwehr. Aber die beiden wurden beobachtet, als sie gemeinsam in die Wohnung gingen, und nun versucht ein Gauner Alice zu erpressen.

Der Film erzählt seine Handlung wenig komplex, aber Hitchcock zeigt darin schon sehr deutlich, dass er der kommende Master of Suspense sein wird. In Blackmail konnte er viele seiner Tricks zur Schau stellen, aber hier wirkt noch alles frisch und unverbraucht. Im Gegensatz zu diesem sehr geradlinigen und trotz allem psychologisch interessanten Film wirkt das spätere Werk überambitioniert und prätentiös. Natürlich sind die späten Filme nicht ganz zu Unrecht Klassiker, aber die frühen Filme machen einfach sehr viel mehr Spaß.

Niklas: Erinnert sich noch jemand an Spellforce? Vor kurzem erschien der dritte Teil, aber da er ein bisschen zu anspruchsvoll für meinen Laptop ist, habe ich stattdessen den zwölf Jahre alten Vorgänger noch einmal installiert.

Spellforce 2: The Shadow Wars (von mir in der Anniversary Edition gespielt), ist ein Echtzeitstrategie mit Rollenspielanteilen. Wie in Warcraft III baue ich Armeen auf oder laufe mit einer Gruppe von fünf bis sechs Charakteren umher und erkunde die Fantasywelt Eo,  die genau jedem Klischee entspricht, welches man dem Fantasy-Genre nachsagt. Orks sind brutal, aber ehrenhaft, es gibt Dunkelelfen, die sich am Schmerz laben (und wenig Kleidung tragen), die guten Elfen lieben die Natur (und haben genauso wenig an) und Zwerge lieben Alkohol und harte Kämpfe (während sie Rüstungen tragen, die alles bedecken. Weicheier). Orte wie „Das Tor der Schwerter“ und „Die Eisenfelder“ tauchen auf und werden mit allem Ernst genannt und die Hauptfigur ist erfüllt von der rechtschaffenen Wut eines Aragorns und natürlich gilt es das ultimative Böse zu besiegen.

Nein, Spellforce 2 erfindet an keiner Stelle das Rad neu und doch entfaltet es mit der Zeit eine gewisse Sogwirkung. Das liegt vor allem daran, dass mir das Erkunden der Karten Spaß macht und die Aufgaben abwechselungsreich sind, selbst im Strategieteil. Natürlich muss ich meistens eine Basis aufbauen, aber das geht nur wenn der Feind mir nicht auf die Nerven geht, also überrolle ich seine Basis, was bisher meine bevorzugte Taktik ist. Und das Spiel nimmt sich bis auf wenige Stellen sehr ernst, aber trotzdem hat die Welt etwas. Das liegt vor allem an den restlichen Völkern. Wo die Menschen ein Haufen Langweiler sind, führt mich die Quest der Zwerge in eine dunkle Mine und in eine Schneelandschaft, um eine alte Fehde zu beenden, während die Orks ein grober Haufen sind, aber irgendwie macht ihre Denkweise vor dem gewaltgetriebenen Gameplay wieder Sinn. Und für die Elfen darf ich den Seelentröster spielen, während Dämonen über sie herfallen. Solche Aufgaben machen immer Spaß und sorgen dafür, dass all die Klischees am Ende doch wieder in dieser Welt Sinn ergeben, da keiner mein heroisches Auftreten infrage stellt (besser ist es, sonst gibt es Haue) und irgendwie hat es einen zeitlosen Charme, mit gewaltigen Armeen um das Wohl der Welt zu kämpfen. Es hilft auch, dass viele der Einheiten auch heute noch cool anzusehen sind. Besonders die Titanen, turmgroße Elitemonster der drei spielbaren Fraktionen, sind eine wahre Augenweide, auch wenn ich mit billigen Bogenschützen und Zwergenkämpfern im ersten Drittel wesentlich besser vorangekommen bin. Egal, irgendwie ist das Ganze ja immer noch cool, Klischees hin oder her.

Nur die nackigen Elfen fand ich schon damals dämlich.

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