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Währenddessen … (KW 52)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Niklas: Dieses Jahr war Bockmist und ich hätte es mit einer langen Erklärung darüber beenden können, warum mir der Roman Starship Troopers Angst macht, aber stattdessen möchte ich ein bisschen etwas über T.H. Whites The Once and Future King schreiben. Das sind vier kurze Bücher, die sich um die König-Arthur-Sage (die Version von Sir Thomas Malory) drehen und mich tief berühren. Wer sich mit der Sage um den englischen König auskennt weiß, dass es mit ihm nicht gut enden wird. Mehrmals wird thematisiert, wie die Vergangenheit ihre Figuren einholt, sei es nun wie Arthur geboren wird oder dass sein Berater weiß, was alles geschehen wird, und es wird klar, dass sie sich nicht ändern lässt. Wer zu lange in ihr verweilt, wird daran zugrunde gehen, das merken Figuren wie Merlin und Bösewichte wie Mordred, der das Vergangene benutzt, um seine Propaganda voranzutreiben. Niemand blickt voran und die Menschheit wiederholt ihre Fehler jedes Mal.

kingAm Ende scheinen alle dazu verdammt zu sein, ihre Fehler zu wiederholen, wenn da nicht ein kleiner Hoffnungsschimmer am Schluss wäre, der mich irgendwie aufheitert, nachdem mich alle Bücher so traurig machten, wie es mir selten passiert. Es ist nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber vielleicht reicht er aus. Oder auch nicht, siehe oben. Das mich The Once and Future King so mitreißt, liegt vor allem daran, dass White es verstand, komplexe Charaktere zu schreiben, was er vor allem im dritten Buch mit Sir Lancelot und seiner Liebesgeschichte mit Königin Guinevere beweist. Es gibt Liebesgeschichten, die sind schön und welche die sind kitschig. Die Beziehung zwischen dem Ritter und der Königin fühlt sich realistisch an, weil sie nicht perfekt ist, aber man einfach glaubt, dass diese beiden Menschen sich lieben und das Beste aus der Situation machen. Nichts ist perfekt, auch die Liebe nicht, aber das bedeutet nicht, dass Menschen nicht liebenswert oder es nicht wert sind, dass man für sie riskiert die Welt besser zu machen.  Nächstes Jahr werde ich die Serie noch einmal lesen. Vielleicht wird der Hoffnungsschimmer dann etwas heller strahlen als zuvor.

Thomas: Im Jahr 2000 durfte Kevin Smith aus seinem Kultfilm Clerks eine sechsteilige Zeichentrickserie für den Sender ABC machen (die nach Ausstrahlung von nur zwei Episoden sofort abgesetzt wurde). Ich habe mir Clerks: The Animated Series jetzt via Streamingdienst angesehen und muss sagen: Meine Güte, ist das schlecht gealtert! Die Serie nutzt zwar das Kernpersonal aus dem Film Clerks, lehnt sich in Tonfall und Inhalt aber mehr an Vorbilder wie die Simpsons oder South Park an: Es gibt also reichlich wacky humor, verrückte Plotwendungen, absurde Gaga-Einfälle und Popkultur-Parodien im Minutentakt. Im Jahr ihrer Entstehung mag diese Reihe noch halbwegs erfrischend und neu gewirkt haben, inzwischen gibt es auf dem Sektor der animierten Comedy aber ein wesentlich breiteres und qualitativ besseres Angebot. Was besonders unangenehm auffällt, sind die ständigen Witzeleien auf Kosten von allem, was nicht männlich, weiß und hetero ist. Diese werden zwar selbstironisch abgefedert, hinterlassen aber trotzdem einen eher ekligen Nachgeschmack. Mittlerweile hat die Entertainment-Industrie in Sachen diversity dazugelernt und ich behaupte mal, dass die Häufung von Gags über Frauen, Schwarze, Schwule und andere „Randgruppen“ in dieser Form heute nicht mehr möglich wäre.

Es ist der vermutlich der beste Witz an der Serie, dass Clerks: TSA sich seiner eigenen Unzulänglichkeiten von Anfang an bewusst ist, selbst darauf hinweist und sich drüber lustig macht. Mit dieser Lampshading-Strategie lässt die Serie jegliche Kritik an ihr ins Leere laufen. Das ist clever und macht auch ein bisschen Spaß, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier überwiegend um eine Parade von sehr angestrengten Witzeleien handelt, die im Jahr 2016 einfach nicht mehr so recht zünden mag. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Art Nerdhumor, die Kevin Smith hier zelebriert, im Internet so allgegenwärtig geworden ist, dass sie inzwischen eher nervt als begeistert.

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