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Währenddessen … (KW 45)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Thomas: Schön, dass man sich bei den Marvel Studios offensichtlich entschieden hat, sich vom prätentiös-ernsthaften, düsteren Ton der Konkurrenz DC abzugrenzen, indem man die eigenen Filme noch entschiedener mit Humor würzt als bisher schon. Aktuell zu bewundern am Beispiel von Thor: Ragnarok, das man in die Hände des neuseeländischen Regisseurs Taika Waititi gelegt hat, der bisher für seine schrägen Indie-Komödien bekannt war. Und tatsächlich ist hier – anders als bei den meisten anderen Blockbustern dieses Kalibers – tatsächlich eine Art Handschrift des Regisseurs spürbar. Bei allem Spektakel, das so ein Film selbstverständlich liefert, legt Thor 3 viel Wert auf zwischenmenschliche Momente, auf Dialoge, auf die Figuren und ihre Eigenheiten. Waititi ließ sein Ensemble stellenweise sogar improvisieren, was den munteren Dialogen sehr gut tut.

Ehrlich gesagt wäre die wilde Mischung aus Fantasy, Mythologie, Science Fiction und Superhelden-Action, in der Götter, Monster und Kriegerinnen ebenso selbstverständlich ihren Platz haben wie Raumschiffe, Gladiatoren und der Hulk, ohne eine große Portion Humor auch schwer zu ertragen. Ein Humor übrigens, der leichter, spielerischer und herzlicher rüberkommt als die doch recht angestrengt um Schenkelklopfer bemühte Gaudi-Parade der Kollegen von den Guardians of the Galaxy. Da zahlt es sich dann auch aus, hochklassige Schauspieler wie Hiddleston, Blanchett oder Cumberbatch an Bord zu haben, die problemlos zwischen Pathos, Ernsthaftigkeit und Witz changieren können, ohne dass es je peinlich zu werden droht.

Das eigentliche Highlight aber, das Thor: Tag der Entscheidung (so der unnötig eingedeutschte Titel) über andere Filme des Genres hinausstrahlen lässt, ist seine Ausstattung: Noch nie haben sich die Designer von Kulissen und Kostümen, Waffen und Raumschiffen so offensichtlich an die Comics von Jack Kirby angelehnt wie hier. Kirbys charakteristische Formen und Farben, sein Sinn für surrealen Bombast, all das ist deutlich wiedererkennbar in den zahlreichen Szenen, die auf dem Müllplaneten Sakaar spielen, wo Jeff Goldblum das Volk mit Brot und Spielen beherrscht. Ein visuelles Schmankerl und gleichzeitig eine längst überfällige Ehrerbietung für diesen famosen Künstler, der vor ein paar Wochen 100 Jahre alt geworden wäre und ohne dessen Kreativität und Fabulierlust das gesamte Marvel-Universum, das heute Millionen von Dollars umsetzt, schlicht nicht existieren würde.

Daniel: Es macht immer viel Spaß, die Texte der Kollegen zu redigieren. Nur dann nicht, wenn man selbst noch vor hat, das Besprochene zu sehen, lesen oder spielen. Na ja, ich bin selber schuld. Hätte ich Thor schon vergangene Woche angucken können. Da war ich aber leider immer noch geistig mit der Brettspiel-Messe in Essen beschäftigt, der SPIEL 2017. Da fahre ich nun schon seit sechs Jahren hin und bade vier Tage lang in einem Meer aus Karton – und den gleichen Menschen mit ihren Hackenporsches, die auch auf Comicmessen rumlaufen. Bei über 1000 Neuheiten und 180.000 Besuchern kann man sich vorstellen, dass diese Publikumsmesse etwas anstrengend ist. Und dennoch ist es ganz anders als auf einer Comicmesse.

Auf der SPIEL kann man jeden Spieleautor oder -illustrator ansprechen und vielleicht sogar eine Partie mit ihm spielen. Man setzt sich an Tische und spielt einfach los. Okay, oftmals sind alle Tische besetzt und plötzlich sitzt man ganz woanders mit Wildfremden und spielt sich aus seiner Komfortzone heraus. Es gibt vom simpelsten Kinderspiel bis hin zur komplexesten Simulation wirklich alles.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bemannen.

Für dieses Bild habe ich an einem Tisch beim Kosmos-Stand angehalten, um mit den Spielern zu sprechen: Fühlt sich das noch wie Siedler von Catan an? Die Frau im grünen Strickpullover blickt kurz von ihren Karten auf. “Ja, und wie Westeros.” Eine knappe Antwort im Namen der ganzen Familie – ihr Mann schlägt gerade eine Regel nach, die Kinder schieben einen Riesen übers Brett –, schon ist sie wieder ins Spiel vertieft. Um den Tisch herum ist es laut, es ist Brettspielmesse in Essen, das Publikum drängt durch die Flure. Die Familie stört das nicht. Sie interessiert sich nur noch für Holz, Lehm, Schafe und für die Mauer. Auch dass auf Deutschlands bekanntestem Spielbrett plötzlich eine Mauer steht, scheint hier niemanden zu stören. Im Gegenteil, das Bollwerk aus Plastik zieht die Messebesucher an den Stand.

Natürlich erwartet man an dieser Stelle, dass ich das oder die besten Spiele empfehle – aber die gibt es nicht. Denn jeder Spieler ist anders. Mir bereitet es Freude, Bäume zu pflanzen und Bücher alphabetisch einzusortieren. Der nächste mag vielleicht etwas ganz anderes. Wenn ihr eine Empfehlung wollt, vielleicht auch für Weihnachten, dann schreibt mir oder in die Kommentare.

Meine Spiele-Artikel für die Süddeutsche Zeitung könnt ihr hier nachlesen. 

Was habt ihr diese Woche gekauft, gesehen, gelesen, gespielt? Postet eure Bilder, Geschichten und Links einfach in die Kommentare.