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Währenddessen … (KW 43)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Niklas: Fragen, die man sich so am Tag stellt: wie habe ich das schon wieder gemacht und warum sind fast dreitausend Seiten Usagi Yojimbo (Link:  https://www.darkhorse.com/Books/26-591/The-Usagi-Yojimbo-Saga-Volume-1-TPB ) schon wieder fertig gelesen? Die zweite Frage lässt sich leicht beantworten: Usagi Yojimbo ist einfach gut. Punkt.

Ich könnte jetzt die Zeichnungen loben, die mit der Zeit immer schlanker und abstrakter wurden (zum Glück, Usagi als realistisch gezeichnetes Nagetier mit riesigen Zähnen sah unheimlich aus) und wie gut die Recherche ist (soweit man das als Laie feststellen kann), aber das haben schon andere getan (vor allem besser). Was mir aber beim Lesen auffiel: der Höhepunkt der Reihe mag zwar die Miniserie Crasscutter sein, aber trotzdem ist Usagis Schöpfer, Stan Sakai, im Laufe der Jahre immer besser geworden. Genau wie seine Zeichnungen hat er seinen Stil, Geschichten zu erzählen entschlackt und beschränkt sich auf das Wichtigste. Benutzt er dabei gerne mal altbewährte Formeln und Archetypen? Jupp, aber das macht die Serie auch zugänglich und umso mehr ist man freudig überrascht, wenn Sakai die Formel durchbricht und mal etwas ganz anderes versucht. Das sieht man zum Beispiel an der hochgelobten Teezeremonie in Heft 93 oder wenn sich ein Einzelheft mit der tragischen Vorgeschichte eines Assassinen beschäftigt, den Usagi am Ende eines dicken Sammelbandes töten wird. Ein privates Highlight ist für mich eine sehr kurze Geschichte über die Statue eines kleinen Jungen, die seine Mutter nach seinem Tod errichtete und aus deren Perspektive wir die gesamte Geschichte beobachten. Die Perspektive ist also fest, eine der „Figuren“ nicht zur Kommunikation fähig, und trozdem schafft es Sakai mich mit einem warmen Gefühl zurückzulassen. Meine Lieblingsgeschichten werden aber immer die mit der Nebenfigur Inspektor Ishida sein, dem Usagi oft bei der Lösung von Morden hilft. Denn Stan Sakai kann tatsächlich gute Krimis im historischen Japan mit nachvollziehbaren Lösungen erzählen und manchmal wünsche ich mir, dass diese Fälle die Regel und nicht die Ausnahme wären. Aber vielleicht ist es gut so, dass die Routine des Hasen-Ronins eher aus Wanderungen und Kämpfen besteht, denn so bleiben diese Brüche mit der Formel immer kleine Juwelen unseres liebsten Mediums.

PS: Die Serie eignet sich trotz ein paar Blutspritzern und Usagis hohem Bodycount übrigens auch für jüngere Leser.

Paperinik meets John Difool. Aus: LTB-Premium 16.

Christian: Lese derzeit Superhelden. Seit mich das LTB 492 letzten Frühling nachhaltig begeistert hat, arbeite ich mich nach und nach durch die Neuen Abenteuer des Paperinik (a.k.a. Phantomias, Duck Avenger, nicht verwechseln mit Diabolik), die in den LTB-Premium Bänden lückenlos und chronologisch erscheinen. Kaum zu glauben, dass die ersten, in Italien erschienenen, Episoden schon mehr als 20 Jahre alt sind, immerhin waren die 90er noch eine weitgehend internetfreie Zeit. Es ist leider nachvollziehbar, dass der Neue Phantomias beim konservativen Disney-Publikum zunächst nicht gut ankam, aber inzwischen ist der Neue Phantomias dank der Premium-Reihe auch bei uns eine feste Größe. Was nebenbei auch beweist, dass der Mainstream am Kiosk um einiges besser ist als sein Ruf. Ich halte die Reihe inzwischen für einen der ganz großen Superheldencomics, die auch dem Vergleich zu DC und Marvel standhalten und dabei trotzdem ihre Wurzeln nicht verraten.

Christian: Vor zwei Wochen habe ich noch gelästert über die LDH (Liga Deutscher Superhelden). Aber gestern war ich beim Release-Event der LDH in Nürnberg und hatte Gelegenheit, mit Harald Havas, dem Mastermind hinter ASH (Austrian Super Heroes) und LDH zwanglos und ohne journalistische Hintergedanken ein wenig zu Plaudern. Harald konnte mich beschwichtigen und meinte, selbstverständlich ist der Einstieg in die Serie prall voll mit Superheldenaction, was wenig differenzierte Charakterzeichnung erlaubt, aber so war das ja auch bei ASH. Die Nummer 2 wird ruhiger werden und dann werden wir auch mehr über die Figuren erfahren. Ich bin sehr gespannt auf die Hintergründe des Gamsbart und würde mich freuen, wenn er in seiner Secret Identity tatsächlich Schlagermusiker wäre. Helene Fischer vereinigt ja auch Superfrau und Schlagerstar in einer Person und kriegt auch mal ’ne Maß auf Ex runter. So oder so, irgendwie finde ich die LDH schon fast Morrisonesque. Das hat was von der 90er Jahre Doom Patrol. ASH dagegen ist eher klassischer Stan Lee. Vielleicht projiziere ich aber auch ganz einfach meine eigenen, dürftigen Leseerfahrungen und Erwartungen in das Projekt hinein. Im Tradepaperback von ASH finden sich übrigens auch die zahlreichen Variant-Covers. Highlight ist natürlich das streng limitierte Titelbild von Nicolas Mahler. Ja, ein gutes Händchen haben sie, was die Wahl der Künstler angeht. Ich les das weiter.

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