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Währenddessen … (KW 41)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Christian„Da packt euch das kalte Grausen, unser David Bowie heißt Heinz Schenk“ (Rodgau Monotones). Und unser Wolverine heißt wie? DJ Ötzi? Anton aus Tirol? Nein, Gamsbart!!! – Also jetzt aber mal im Ernst: Diese Heinis sind Deutschlands Helden? Da muss aber noch ordentlich Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn ganz überzeugt hat mich die erste Nummer von LDH – Liga deutscher Helden noch nicht. Immerhin: Die Back-Up Story von Gerhard Schlegel und Oliver Naatz, die während des Zweiten Weltkriegs spielt, macht neugierig auf mehr. Da hat einer seinen Jim Steranko studiert. Aber soll das so, dass die Zusatzgeschichten besser sind als die Hauptlinie? Eine ausführliche Besprechung wage ich aber erst nach dem ersten Run (Heft 1 bis 3) zu geben. Wäre ja nicht das erste Mal, das eine Reihe erst im zweiten Heft zu sich selbst findet.

(BTW: Die drei verschiedenen Titelbilder sind allesamt fantastisch.)

NiklasHenry Kuttners und C.L. Moores The Dark World ist nur knapp hundert Seiten lang, die Handlung wird sprunghaft erzählt, das Worldbuilding ist fragmentiert und die Eigenschaften der Nebenfiguren werden in geraffter Form von der Hauptfigur als Ich-Erzähler vorgekaut. Der Twist: Der Hauptcharakter hat eine gespaltene Persönlichkeit, war vor seiner Reise in die neue Welt ein Veteran des zweiten Weltkriegs und da wir nur seine Perspektive kennen, öffnet das die Geschichte für Interpretationen. Oder auch nicht, da The Dark World eine Pulp-Novelle aus der Glanzzeit der Schundhefte ist. Über diese billigen Geschichten soll man nicht nachdenken. Das ich es trotzdem tue, liegt nicht am Inhalt, sondern die Art wie es erzählt wird oder besser gesagt, was nicht erzählt wird.

Gene Wolfes Shadow of the Torturer hat mich für eine Figur sensibilisiert, die den Leser (und sich selbst) belügt und bei der man jeden dritten Satz analysieren sollte, da man ihre Welt nur nebenbei kennenlernt. Das macht Sinn macht, da der Hauptcharakter diese Welt im Gegensatz zu uns bereits kennt und er für ein Publikum schreibt, das weiß wovon er erzählt. So raffiniert ist The Dark World nicht, aber ich finde es interessant diese Figur im Kontext seiner Zeit zu berücksichtigen: ein Veteran, der aus dem Krieg zurückkehrt und sich zu Beginn noch nicht wieder eingelebt hat. Wahrscheinlich hat er noch Alpträume und kann kaum einen klaren Gedanken fassen, weswegen die Geschichte auch so hastig und teilweise unfokussiert erzählt wird. Und wenn in seiner Brust der nette Soldat Amerikas und ein blutrünstiger Kriegsherr in seiner Brust um die Vorherrschaft kämpfen, vielleicht ist es ja doch ein Symbol dafür, dass er um seine eigene geistige Gesundheit kämpft, wenn nicht gar um seine Seele kämpfen muss. Bei einer dunklen Welt denke ich auch an das Unterbewusstsein und vielleicht muss man dann grausame Werwölfe aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Ich weiß es nicht, da die Geschichte mit Hinweisen geizt und die Prosa sich teilweise wie ein Fiebertraum liest, aber diese Stilmittel schließen nicht aus, dass ich Unrecht habe. Wir müssen uns auf den Erzähler verlassen, da seine Sicht die einzige ist, die wir haben. Aber können wir uns wirklich auf jemanden verlassen, der achtzig Prozent der Zeit um seine eigene Identität kämpft? Wahrscheinlich interpretiere ich zu viel rein, nur um nicht zugeben zu müssen, dass ich nur unterhaltsamen Schund gelesen habe. Soll mir recht sein. Immerhin hat es Spaß gemacht!

Daniel: Ich und Orks – ein Match made in Mordor. Nachdem ich extra für das Videospiel Shadow of Mordor vor drei Jahren meine alte XBox 360 gegen eine Playstation 4 getauscht habe, musste ich die Fortsetzung Shadow of War einfach testen. Beide Spiele eint das sogenannte Nemesis-System. Dabei erstellt das Spiel für jeden einzelnen Möchtegern-Talion, so heißt der Waldläufer/Protagonist der Geschichte, seine ganz eigenen orkoiden Endgegner. Diese stellen sich zusammen aus 1. einem dümmlichen Gesicht, 2. einem Krankenblatt voll mit Stärken und Schwächen und 3. einem ziemlich miesen Anmachspruch: „Schön, dass du deine Mutter auch mitgebracht hast“, musste ich mir von einem Ork sagen lassen, der mich auf meinem stolzen Reittier im ersten Teil des Spiels antraf. Warum liegt der Schatten jetzt nicht mehr über Mordor, sondern um dem Krieg? Weil der untote Talion – in Begleitung des geisterhaften Elbenschmieds Celebrimbor, den dunklen Lord Sauron direkt konfrontiert. Als der helle Lord, mit eigenem Ring und eigener Orkarmee. Waren im ersten Teil Orks nur Feinde, stellt man nun eigene Armeen auf und wohnt mit denen in den Festungen Mordors.

Die eigene Orkarmee und die absurden Geschichten, die sich aus dem Nemesis-System entspinnen, machen das Spiel zu einem grotesken Spaß. Eigentlich will man total seriös für Mittelerde kämpfen und dann nervt mich die ganze Zeit dieser eine Ork, Ronk the Hacker, der einfach nicht sterben will. Mittlerweile habe ich ihn das fünfte Mal getroffen, mit meinem Schwert, mit meinem Bogen und meinem Dolch. Lass mich endlich in Ruhe, Ronk!

Mein Kurztest „Tinder mit Orks“ für SZ.de.

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