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Währenddessen … (KW 35)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Christian: Nach meinem Text über die Documenta letzte Woche ist es mir heute wichtig, etwas klarzustellen. Es ist leicht, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als „Zensurbehörde“ zu beschimpfen. Man sollte aber nicht übersehen, dass die BpjM oft das entscheidende Zünglein an der Waage war, dass eine anstehende Zensur eben nicht stattfand. So gab es zum Beispiel schon mehr als einmal den Versuch, Comics von Ralf König durch Indizierungsanträge vom Mainstream zurück in den Underground zu drängeln, und noch jedes Mal hat sich das entscheidende Gremium nach reiflicher Überlegung gegen die streng konservative Gesinnung der Antragsteller gestellt. Und auch die durchaus heftige Mangareihe Battle Royale wurde nicht indiziert, was durchaus ein sehr erfreulicher Präzedenzfall ist. Es ist nachvollziehbar, dass man sich beim Bücher-Parthenon auf die Expertise der BpjM verlässt. Dass diese Behörde jedoch nicht völlig ohne Widersprüche funktionieren kann, ist ebenso leicht zu verstehen.

Weiterführende Links
TAZ-Archiv, Spiegel-Online, Comicgate, noch mal Comicgate und die BpjM.

Niklas: Über Garth Ennis kann man ja einiges sagen, aber Kriegsgeschichten kann der Mann einfach schreiben. Das wurde mir mal wieder bewusst, als ich Dreaming Eagles  las, eine kleine Miniserie um die ersten afroamerikanischen Kampfflieger in der US-Army. Dreaming Eagles ist ein kleiner Comic. Klein in seiner Geschichte und auch klein, in dem was es zu sagen hat: Ein Vater und sein Sohn streiten sich über Martin Luther King und der alte Herr erzählt seine Erlebnisse im zweiten Weltkrieg. Am Ende steht fest: Rassismus ist zu jeder Zeit beschissen, Krieg ist beschissen und fliegen ist schön. Das sind wichtige Erkenntnisse, die man nie vergessen sollte, aber die Zwischentöne sind es, die die Miniserie zu einer interessanten Lektüre machen. Ennis erzählt eine berührende Geschichte über Männer, die sich für ihre Nation beweisen wollen und denen es trotzdem nicht gedankt wurde. Sie fliegen, sie schießen, sie sterben und am Ende warten doch nur Schläge von denjenigen, für die sie gekämpft haben. Nichts ändert sich, so erscheint es dem Erzähler, sollte man da nicht doch den Kopf unten halten? Sein Sohn hat da seine eigenen Gedanken und zumindest ich war vom Ende gerührt und musste an die Welt da draußen denken. Vielleicht brauchen wir gerade jetzt solche Geschichten, um uns daran zu erinnern, dass aufgeben keine Option ist. Vielleicht wird es doch Zeit aktiver zu werden. Und das von Garth Ennis. Er hat sich seit Preacher wirklich weiterentwickelt. Wie gesagt, Kriegscomics kann er einfach.

Außerdem habe ich meine Reise durch immer noch zu viel Batman (im Ernst: lest nicht zu viel Batman. Das ist nicht gesund) damit abgeschlossen Batman: Arkham Asylum zum dritten Mal durchzuspielen. Diesmal habe ich alle Geheimnisse entdeckt, mich auf dem schwersten durchgeprügelt und festgestellt dass … Arkham Asylum immer noch ein verdammt gutes Spiel ist. Sogar die ziemlich pulpige Geschichte besitzt im nachhinein doch mehr Qualität, als ich zuerst dachte. Das liegt vor allem daran, dass man es nicht einmal hinterfragt, wenn Batman gegen Killerpflanzen, Clowns mit Gewehren und einen gefesselten Bane kämpft, dessen Steroide irgendwie dabei helfen sollen Geisteskranke zu heilen. Ist klar. Zugegeben, das liest sich bescheuert, aber im Kontext des DC-Universums ergibt das alles Sinn, vor allem wenn der Mastermind dahinter Joker heißt.

Es schließt sich also an das an was ich letzte Woche über Superhelden und Archetypen schrieb und da die Kämpfe immer noch simpel aber irgendwie auch fordernd sind, macht es mir auch nichts aus, wenn ich mal wieder in den Boden gestampft werde. Am besten gefällt mir aber, wie meine Lebensenergie an die Erfahrungspunkte gekoppelt ist, die ich erhalte wenn ich die Insel erkunde oder Kämpfe ausfechte. Dadurch werde ich als Spieler gezwungen Arkham Island zu erkunden und so mehr über Batmans Gegenspieler und die Welt in der sie leben herauszufinden. Da die Extras auch zum Verständnis dieser Welt beitragen, versetzt mich das umso mehr in die Welt des dunklen Ritters und dann reißen mich die Wendungen in der Handlung auch gleich wieder mit. Es hilft aber auch, dass Asylum im Gegensatz zu Arkham City ein wesentlich lineares Spiel ist. Durch die Linearität bleibt die Dringlichkeit der Geschichte immer vorhanden und da das Asylum kleiner ist als der abgesperrte Stadtteil in City, nehme ich mir gerne Zeit, um sie zu erkunden und für die härteren Encounter gewappnet zu sein. In City ging die Dringlichkeit auf Grund der größeren Karte schnell verloren und die spielerische Freiheit tat Batman auch nicht gut. Schließlich ist er jemand, der von seinen Neurosen immer wieder auf den rechten Pfad gezwungen wird. Wenn man ihn zu viel Freiheit gibt, verhedert er sich in zu viel kleineren Sachen und bringt nicht eine einzige wirklich zu Ende. Das würde zumindest erklären, warum immer noch so viele Mörder in Gotham City herumlaufen.

Daniel: Mit dem Ende der siebten Staffel endet auch das Spiel um den Thron. Denn außer Cersei will niemand mehr mitspielen. Bleiben nur zwei Optionen: Entweder wie ein Untoter der achten Staffel entgegensabern oder aktiv ins Game of Thrones eingreifen. Damit sind nicht “Monopoly”-, “Risiko”- und “Cluedo”-Versionen mit aufgeklebtem Westeros-Thema gemeint. Die lassen sich gut zu Brennmaterial verarbeiten, wenn es draußen kalt wird. Dann bleibt auch mehr Platz für gute Game-of-Thrones-Spiele. Die habe ich für die Süddeutsche Zeitung hier vorgestellt. Spoilerfrei versteht sich.

Wer die neuste Staffel schon gesehen hat, dem kann ich die Recaps von meinem Kollegen Matthias Huber nur ans Herz legen.

Christian: David Cronenbergs kommerzielle Filme sind seine schönsten. An erster Stelle ist da natürlich Dead Zone, eine recht konventionelle, aber fesselnde Stephen King-Verfilmung. Besser noch gefällt mir aber Scanners von 1981. Arte zeigte ihn letzten Donnerstag unter dem Motto „Das Große Spulen: Das war das höllisch-heiße Videozeitalter“. Ja, in den frühen 1980ern ließ man im modernen Genrekino gerne mal die Köpfe platzen, aber nur bei Cronenberg muss man heute noch verschwurbelte Texte darüber lesen wie „Der explodierende Kopf besitzt […] Schlüsselmotiv-Charakter, weil er ein im Cronenbergschen Genre-Verständnis wesentliches Bild für die Transzendenzfähigkeit des Körpers liefert: die telepathische Übernahme als Inbegriff der Fusion zweier Nervensysteme – mit dem platzenden Kopf als ultimativer money shot“ (aus David Cronenberg, Bertz + Fischer 2011). Aha. Und das ist genau der Grund, weshalb ich Sekundärliteratur über Cronenberg nicht mag. Bei Cronenberg wird immer überintellektualisiert. Beim Film Scanners muss man allerdings wenig Sorge haben. Das ist einfach ein dreckiger, kleiner SF-Kracher, der von der ersten Minute an hochspannend ist. Auf Arte ist er im September in der Mediathek zu sehen. Auch Alan Moore und Gary Leach könnten, was die Optik ihres Comics Miracleman angeht, durchaus von Scanners beeinflusst gewesen sein, denn der diabolische Kid Miracleman trägt nicht nur die selbe Kleidung wie Darryl Revok, der böse Scanner (gespielt von Michael Ironside), beide Figuren sind durch ihre Superkräfte nahezu unbesiegbar und sehr, sehr böse. So wie Scanners sollten Superheldenfilme sein. Ohne den Pop-Kram und die Kostüme, die nur auf Papier funktionieren, sondern psychologisch fesselnd und glaubwürdig. Scanners ist wie die besten Comics von Alan Moore und Frank Miller aus den 80ern.

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