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Währenddessen… (KW 2)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Christian: Noch stehen in einigen Haushalten die letzten Weihnachtsbäume. Es ist also noch nicht zu spät, den Band Walt Disneys Weihnachtszauber vom letzten Jahr zu loben, der eine mir persönlich wichtige Micky Maus-Geschichte von Paul Murry enthält: „Weihnachtsbäume für Entenhausen“.  Zum ersten Mal las ich die Geschichte in den Micky Maus-Dezemberheften von 1979. Es waren die ersten Micky Maus-Hefte, die ich mir selbst gekauft habe und die darin enthaltene Fortsetzungsgeschichte gleich voll der Knaller.

Heute ist mir klar, dass der Zeichner Paul Murry einer der profiliertesten amerikanischen Mauszeichner war, vor allem wenn er mit Autor Carl Fallberg an den längeren Geschichten arbeiten durfte. Murry gelingt es, die Winterlandschaft und das Wetter wie selbst erlebt wirken zu lassen. Mit schöner Detailfreude sieht man die tiefen Fußspuren und Reifenspuren von Lastwägen im Schnee sowie die Atemwolken vor den Gesichtern, und wenn Micky und Goofy mit Axt und Säge im Wald zugange sind und sich dabei auf ihre Brotzeit freuen, wenn es im weiteren Verlauf früh dunkel und kalt wird, dann spürt man beim Lesen, wie die Zeit verstreicht.

© Egmont Comic Collection 2019

Wenn es dann auch noch zu schneien beginnt, hat das auch Auswirkungen auf das Erzähltempo. Je dichter die Schneeflocken fallen, desto mehr nimmt die Unruhe unter den Figuren zu, weil jeder nur noch ins Warme möchte. Dann spitzt sich die Lage zu, in diesem kleinen Krimi um gestohlene Weihnachtsbäume, der im Übrigen auch noch recht spannend erzählt ist. Murry und Fallberg erinnern in der Geschichte daran, wie sich Winter mal angefühlt haben. Jetzt sitze ich mit noch mehr Sehnsucht am Fenster und an der WetterApp und warte darauf, dass es vielleicht doch noch losgeht mit dem Winter.

Niklas: Es scheint nur eine Gangstergeschichte zu geben: Junge lernt Gangster kennen, Gangster führt Junge in Gangsterleben ein, Junge findet Gefallen am Gangsterleben. Alles ist gut, bis es dann plötzlich eben doch nicht mehr gut ist und dann lernen wir, dass Verbrechen sich nicht lohnt.

The Irishman, der neuste Film von Martin Scorsese (Goodfellas, Casino), folgt ebenfalls dieser Formel. Robert de Niro, in der Rolle des stark gealterten Gangsters Frank Sheeran, gibt den Erzähler und blick auf ein Leben als brutaler Mafiosi zurück. Seine Figur basiert auf den realen Gangster, der 2003 verstarb.

Eigentlich ist der Film nicht seine Geschichte, sondern die Geschichte der amerikanischen Mafia. Die befindet sich in den 1960ern auf dem Höhepunkt ihrer Macht, beeinflusst Gewerkschaftler, Beamte und Politiker. Scorsese, zeigt eine korrupte Nation, deren erfolglose Rückeroberung von Kuba im Film als Gefallen an die Mafiosi dargestellt wird. The Irishman bezieht sich dabei auf eine alte Verschwörungstheorie, der zufolge die Mafia John F. Kennedy ins Präsidentenamt verhalf. Das macht die Welt des Filmes noch korrupter und hoffnungsloser und funktioniert auch als Seitenhieb auf einen gewissen anderen Präsidenten. Wenn das Absicht war, Hut ab, Mister Scorsese.

Frank ist immer mit dabei, wenn etwas Wichtiges geschieht, aber er wird nie etwas anderes sein als ein Leibwächter und Killer. Überhaupt ist er eher ein Mitläufer, der alles abnickt, was ihm die Bosse sagen, aber auch immer wieder zu ihnen zurückkriecht, um zu jammern. Er zeigt, was die Mafia groß macht: kleine Würstchen, die loyal bleiben, aber gleichzeitig vor ihren Meistern in Angst und Schrecken leben. Bereut er irgendeinen der Morde, die er im Laufe der Jahre beging, darunter die Ermordung des Gewerkschaftlers Jimmy Hoffa, mit dem ihm eine tiefe Freundschaft verband? Nicht wirklich, Auftrag ist Auftrag, am besten nicht darüber nachdenken. Die Bosse wissen bestimmt was sie tun. Bringt Franks Loyalität am Ende etwas? Nein, denn auch die Herrschaft der Mafia währt nicht ewig und Frank verbringt den Rest seines Lebens als gebrochener Mann. Der Film ist damit einer der wenigen, der Nihilismus als eine gute Sache darstellt, auch wenn viele Menschen im Laufe der Jahre ermordet werden.

The Irishman ist dreieinhalb Stunden lang, inklusive zehn Minuten Credits. Viele Szenen drehen sich um Franks tägliches Leben und gerade zum Schluss zieht es etwas. Gewalt ist hässlich, aber nicht sensationslüstern. Wenn jemand stirbt, stirbt er und das war‘s. Kein großes Drama, Menschen sterben einfach. The Irishman ist ein erstaunlich realistischer Film und so endet der Film nach langer Zeit eher auf einer ruhigen, denn einer großen Note.

Mir hat the Irishman ausgezeichnet gefallen. Robert de Niro ist so gut wie immer, die zurückhaltende Atmosphäre funktionierte perfekt für diese Art von Geschichte, selbst wenn es wieder dieselbe ist. Verbrechen lohnt sich letztendlich wirklich nicht und The Irishman zeigt sehr eindrucksvoll warum das so ist.

Was habt ihr diese Woche gekauft, gesehen, gelesen, gespielt? Postet eure Bilder, Geschichten und Links einfach in die Kommentare.

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