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Währenddessen … (KW 13)

In der Kolumne „Währenddessen …“ zeigt die Comicgate-Redaktion, was sie sich diese Woche so zu Gemüte geführt hat.

Niklas: Ich zocke jetzt weniger (okay, ein bisschen Enderal hier und da) und lese wieder mehr. In letzter Zeit habe ich zwei Fantasybücher fertigbekommen. Geschrieben in den dunklen Zeiten der Fantastik, als der Mensch noch Schreibmaschinen benutzte, alles pulpiger war und dünne Bücher sich wohl besser verkauften, als die tausend Seiten eines George R.R. Martins. Lasst mich euch erzählen von Black God’s Kiss und Elric of Melnibone and Other Stories.

Elric of Melnibone and Other Stories ist der erste Sammelband einer Gesamtausgabe, die Orion Publishing gemeinsam mit dem Autor, Michael Moorcock, zusammengestellt hat. Die Prämisse ist cool: Der drogensüchtige Albino Elric rennt mit einem seelenfressenden Schwert in einer magischen Welt herum und erlebt Abenteuer. Er bereist fremde Welten und bekämpft die Mächte der Ordnung und des Chaos – und seinen bösen Cousin, der Elric den Thron und die Liebe seines Lebens stehlen möchte. Außerdem tauchen an jeder Ecke Portale in fremde Welten, große Monster und anderes magisches Viehzeug auf. Ich mag diese Art von Fantasy, warum sagt mir dann Elric nicht zu, vor allem da ich einige der Beeinflussten sehr schätze? Alan Moore, Joe Dever und die Herrschaften von Games Workshops fallen mir da ein (GW hat ja auch bei jedem geklaut, also zählen sie vielleicht gar nicht). Es könnte am Format liegen. Das Buch enthält eine Kurzgeschichte, das Skript eines Comics und einen Roman. Der Roman ist das Herzstück und auf 168 Seiten passiert ziemlich viel. Viel zu viel, wenn ihr mich fragt. Elric wehrt eine Invasion ab, vereitelt eine Hofintrige, befreit seine entführte Braut, reist auf eine magische Ebene, findet Freunde, macht sich Feinde, findet noch mehr Freunde, macht sich noch mehr Feinde usw. Keine der Szenen im Roman wird wirklich vertieft, die Charaktere bleiben flach und Moorcock nimmt sich auch nie die Zeit die coolen Ideen, die er hat, auszubauen, aber vielleicht muss ich die Zeit berücksichtigen, in der der Roman entschied. Das waren die 50er und der Autor brauchte dringend Geld. Als Teil der Gegenkultur, wäre es wohl auch uncool gewesen sich Mühe zu geben oder so. Elric war als leichte Kost für 15-Jährige Jungs geschrieben worden und so liest es sich auch. Das daraus eine so einflussreiche Serie werden würde, konnte ja keiner ahnen. Die restlichen (gefühlt hundert) Bücher, werde ich mir trotzdem nicht geben. Wenn ich wieder fünfzehn sein will, lese ich die Einsamer Wolf – Spielbücher von Joe Dever. Die bieten ungefähr dasselbe, bauen aber ihre Handlung und ihre Szenen besser auf und ich kann es dort besser schlucken, dass die Figuren flach sind. Das liegt aber wohl daran, dass ich Einsamer Wolf vor Elric gelesen habe.

Black’s Good Kiss ist eine Kurzgeschichtensammlung der Pulpautorin C.L. Moore, halte ich dagegen für ein vergessenes Juwel. Schon vor Red Sonja kämpfte die rothaarige Jirel of Jory im mittelalterlichen Frankreich gegen cthultoide Monster und böse Feen. Moores Geschichten zeichnen sich vor allem durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, bei der ich mehr an cthultoiden Horror denken muss, als bei den Geschichten Lovecrafts. Es hilft aber auch, dass Jirel ein echter Charakter ist. Die meiste Zeit ist sie wütend. Ob dunkler Gott oder böser Magier, wenn sie dich hasst, möchtest du nicht mit ihr im selben Raum stehen. Es steht offen zur Interpretation, ob sie mit ihrer Wut nicht nur ihre Angst überspielen möchte, aber genau das macht sie als Charakter so interessant. Interessant sind auch die Welten in denen Jirel umherirrt: sie muss einer Feenwelt, dunkle Katakomben und eine sprichwörtliche Welt der Dunkelheit erkunden und nichts davon wirkt fehl am Platz. All diese Ebenen sind tödlich und als Leser können wir ihre bizarre Realität akzeptieren, da auch Jirel sie ohne Weiteres akzeptiert. Sie hat schließlich Wichtigeres zu tun. Ein paar Bösewichte warten darauf von ihrer Faust massiert zu werden. Es ist wirklich schade, dass nur sechs Geschichten mit Jirel gibt (eine davon ist ein bizarres Crossover mit einem weiteren Charakter Moores). Ich hätte mir wirklich mehr Abenteuer mit der rothaarigen Kriegerin gewünscht. Wenigstens sind alle Geschichten gut, das kann man nicht von allen Pulphelden behaupten.

Daniel: Cthulhu ist mein Stichwort. In den letzten Wochen habe ich mich mehr mit dem Unerklärlichen beschäftigt. Mit den Welten erschaffen von H.P. Lovecraft. Wie viele Kultisten habe ich aber nicht mit seinen eigenen Werken angefangen, sondern nähre mich an den Verwertungen seiner wirren Monstergeschichten über die Alten – Monster aus der Unterwelt. Ich spiele zwei neue Spiele von Heidelberger und Asmodee: Das ist zum einen die zweite Edition von Villen des Wahnsinns, aber auch das Arkham Horror das Kartenspiel. Beide Spiele versprechen einen Horrorabend zum Lichtdimmen und Gruseln – beide lassen sich auch solo spielen.

Arkham Horror Card Game

Keine Munition für die .45er? Da kann man schon mal verzweifeln.

Zum Kartenspiel kann ich leider noch nicht viel sagen, da meine ersten Ausflüge zu zweit und alleine nicht wirklich funktioniert haben. Das Living Card Game verspricht mit regelmäßigen Erweiterungen eine Deckbau-Mechanik, bei der jeder Ermittler seinen eigenen Charakter baut. Mit dem Basisspiel funktioniert das nicht, da es nur vorgefertigte Decks gibt, die man spielen kann. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter ins Detail gehen, weil ich zu wenig über das Spiel erfahren konnte.

Villen des Wahnsinns 2te Edition ist da schon viel interessanter. Ein Dungeon-Crawler, bei dem alle Ermittler gegen das Brett und eine App statt gegen einen Spielleiter spielen. Der musste in der ersten Version des Spiels stundenlang alle Pläne korrekt aufbauen, Counter auslegen und Fallen für seine Gegner vorbereiten. Das macht nur alles die kostenlose App. Sie sagt, wie sich die Räume in den Villen aneinanderreihen, sie steuert die Monster und nimmt die Proben ab. Und sie erzeugt die Stimmung – und das funktioniert. Nach Betreten des ersten Hauses beginnt eine gut erzählte Geschichte, der man gerne folgt und die Brettspiele revolutioniert. Bei einer normalen Probe fragt die App z.B. wie viele Erfolge man gewürfelt hat, verrät aber nicht was passiert wäre, wenn weniger oder mehr Würfelergebnisse erfolgreich waren. Wenn die Geschichten gut geschrieben sind – was bei meinem vierstündigen Soloabenteuer nicht der Fall war – dann strahlen die Villen des Wahnsinns in Cthulhus schleimigen Glanz. Richtig gut wird das kooperative Brettspiel sobald der erste Ermittler wahnsinnig geworden ist und ein anderes Ziel oder eine geheime Eigenschaft bekommt, die er den anderen Mitspielern nicht verraten darf: „Du bist ein Feuerteufel und gewinnst nur, wenn am Ende des Spiels mindestens fünf Räume brennen.“ Erklären Sie Ihren Mitspielern mal, warum sie gerade im Wohnzimmer Ihre Fackel haben fallen lassen.

Villen des Wahnsinns

Hinfort, unbemalter Kultist!

Christian: Der Film Maleficent ist die gegen den Strich gebürstete Neufassung des klassischen Disney-Zeichentrickfilms Dornröschen. Gegen den Strich deswegen, weil die Erzählung hier aus dem Blickwinkel der bösen Zauberin (Angelina Jolie) erzählt wird. Nun bin ich kein großer Fan von Angelina Jolie, außerdem bin ich immer skeptisch, wenn die Untaten des Bösen plötzlich durch Prequels relativiert werden. Trotzdem überzeugt Maleficent, und das obwohl die ersten 15 Minuten übelster Elfenkitsch sind. Dass die Hexe Maleficent ursprünglich mal riesige Schwingen hatte (wie die Real-Live Version einer dieser düsteren Elfenfiguren von Schleich), kam mir zunächst sehr seltsam vor. Die Flügel werden ihr aber bald von ihrer einstigen Jugendliebe Stephan geraubt, der sich eher den Menschen als den Elfen zugeneigt sieht. Diesen Verrat und den blutigen Raub der Flügel kann man eigentlich nur freudianisch verstehen. Maleficent ist von diesem Tag an verbittert, denn mit dem unbekümmerten Herumflattern ist es nun vorbei. Sie verflucht Stephans Tochter Aurora, so dass nun die altbekannte Story um die Spindel ihren Lauf nehmen kann. Aber mit der Zeit verliert Maleficent ihre Verbitterung wieder und hegt, zunächst noch auf etwas verschrobene Weise, mütterliche Gefühle für Aurora. Aber ihr Fluch ist leider auch für sie bindend.

Ich kann den Film gar nicht genug loben, denn in dem Film läuft wirklich alles, wie es ein sollte. Die Fantasy ist überbordend, aber nie Selbstzweck. Weitaus mehr als der alte Disney-Film gibt es reichlich Subtext, was Maleficent zu einem ziemlich stimmigen und runden Märchenfilm macht. Auch das Happy End ist stimmig, denn nachdem sich Maleficent mit dem Verlust ihrer Jugend und ihrer Unbekümmertheit arrangiert hat, akzeptiert sie – nach einer langen orientierungslosen Phase – ihre neue Rolle als verantwortliche Hüterin über das durch den Fluch an sie gebundene Kind. Selten war mir nach einem Märchenfilm so warm ums Herz. Paraderolle natürlich auch für Angelina Jolie. Maleficent ist ihr, wie wohl keine Rolle zuvor, auf den Leib geschrieben.

Was habt ihr diese Woche gekauft, gesehen, gelesen, gespielt? Postet eure Bilder, Geschichten und Links einfach in die Kommentare.