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Links der Woche 46/16: Wer bekommt was?

Ein großer Verlag bekommt einen neuen Geschäftsführer, ein Comic bekommt einen wichtigen Literaturpreis, ein Auktionshaus bekommt eine Menge Geld für eine Hergé-Seite.

Joachim Kaps tritt als Geschäftsführer zurück
Buchreport
Überraschend gab der Hamburger Verlag Tokyopop am Donnerstag bekannt, dass Geschäftsführer Joachim Kaps, der den Verlag seit seiner Gründung im Jahr 2004 leitete und zu einem der drei Schwergewichte auf dem deutschsprachigen Mangamarkt machte, von seinen Aufgaben zurücktritt. In der Meldung des Börsenblatts ist von privaten Gründen die Rede. Bis ein Nachfolger feststeht, übernimmt Stu Levy interimsmäßig die Geschäfte. Dieser hatte die Tokyopop-Muttergesellschaft in den USA gegründet und war damit rasch erfolgreich, musste das dortige Manga- und Comicgeschäft aber 2008 aus wirtschaftlichen Gründen zunächst stark zusammenstreichen und 2011 schließlich ganz einstellen. Bei vielen Künstlern in der amerikanischen Comicbranche hat Levy nicht gerade den besten Ruf, weil sein Verlag damals viele Verträge mit jungen Talenten für Eigenproduktionen abschloss, dabei aber einen Großteil der Rechte für sich behielt. Die Folge war, dass die Urheber ihre Serien nach der Schrumpfung des Verlags nicht mehr weiterführen oder neu auflegen konnten, da Tokyopop nach wie vor auf den Verwertungsrechten saß (näheres dazu in diesem Artikel von 2015 bei Comics Alliance).

Der Pariser Anschlag als eindringlicher Comic
Deutschlandradio Kultur, Stephanie Lob
Zum ersten Jahrestag der Anschläge von Paris und der zeitgleichen Wiedereröffnung des Rockclubs Bataclan berichtete die Presse weltweit. Günstiges Timing bewies auch der Pariser Verlag Lemieux éditeur, der pünktlich den Comic Mon Bataclan veröffentlichte. Dessen Zeichner Fred Dewilde war beim Konzert der Eagles of Death Metal, das von Terroristen gestürmt wurde, im Publikum. Seine Eindrücke verarbeitete er zu einem Comic, über den unter anderem der Deutschlandfunk berichtet (MP3, 3:27 Minuten).

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© Top Shelf

2016 National Book Award Winner, Young People’s Literature
National Book Foundation
Vergangene Woche wurden die National Book Awards verliehen, laut Wikipedia „neben dem Pulitzer-Preis der renommierteste Literaturpreis der USA“. In der Kategorie „Young People’s Literature“, also der Jugendbuch-Sektion, gewann der Abschlussband der Comic-Trilogie March, die aus der Insiderperspektive von der US-Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre erzählt: Es sind die Erinnerungen des Kongressabgeordneten John Lewis, die er mit Co-Autor Andrew Aydin und Zeichner Nate Powell umsetzte. Lewis gehörte als Student zu den führenden Köpfen der Bürgerrechtsbewegung, die für die Abschaffung der Rassentrennung und ein Ende der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung kämpfte, war beim legendären „March to Washington“ als Redner dabei und ist seither politisch aktiv. Schon die ersten beiden Bände des Comics hatten in den USA ein enormes Presseecho und wurden zu Bestsellern. March ist nun der erste Comic, der einen National Book Award gewinnt. Von einer deutschen Ausgabe ist bislang noch nichts bekannt.

Tintin en apesanteur: Prix record pour Hergé
Arcturial
Letzte Woche wurde bei einer Versteigerung in Paris mal wieder ein Rekordpreis erzielt: Beim Auktionshaus Arcturial kam unter anderem eine Originalseite aus dem Tim und Struppi-Album On a marché sur la lune (Schritte auf dem Mond) von 1954 unter den Hammer und erzielte einen Verkaufspreis von 1.553.312 Euro. Laut dem Auktionshaus ist diese Summe Weltrekord für eine Einzelseite aus der Feder von Hergé.