Aktuelles
Kommentare 1

Links der Woche 35/15: Schwarm-Alarm

Eine sommerliche Kurzausgabe mit überschaubarem Umfang.

Crowd & Rüben
crowdrueben.de, Carlsen Verlag
Mit dem Projekt „Graphic/atessen“ will der Carlsen Verlag seiner Kundschaft „besondere Buch- und Designprodukte“ anbieten. Neben Luxusausgaben von bereits publizierten Comics (Alisik oder die Kochcomics von Guillaume Long) sind opulente Begleitbände (z.B. zu Spirou oder Blake und Mortimer) und eine Siebdruckmappe mit Werken deutscher Comiczeichner geplant. Verwirklicht werden soll das Ganze mittels Crowdfunding über die Plattform startnext. Ungewöhnlich an dem Projekt ist vor allem, dass hier ein klassischer, nicht eben kleiner Verlag, in ein Finanzierungsmodell einsteigt, das bislang vor allem von Privatleuten und Kleinverlagen genutzt wurde. Momentan befinden sich die ersten beiden Projekte in der Startphase, in der erst einmal unverbindlich „Fans“ gewonnen werden müssen. In der Finanzierungsphase (Januar/Februar 2016) wird dann konkret Geld gesammelt. Die Zielsummen liegen dabei recht hoch – einige Hundert Unterstützer bzw. Käufer werden hier auf jeden Fall benötigt. Der Verlag begleitet das Projekt mit recht umfangreichem Marketing, zu dem das hier verlinkte Blog und mehrere eigens produzierte Videos gehören.

© Alison Bechdel/Houghton Mifflin

© Alison Bechdel/Houghton Mifflin

I’m a Duke freshman. Here’s why I refused to read ‘Fun Home.’
The Washington Post, Brian Grasso
An der Duke University von Durham im US-Bundesstaat North Carolina gab es für die Freshmen, die Erstsemester, eine Lektüreliste mit empfehlenswerter Literatur, die die Studenten bis zum Beginn des Semesters (freiwillig) lesen sollten. Auf dieser Liste steht unter anderem Alison Bechdels autobiografischer Comic Fun Home, in dem es um die unterdrückte Homosexualität ihres Vaters und um ihre eigene Homosexualität geht. Ein Teil der Studenten verweigerte die Lektüre dieses Buches aus moralischen Gründen und diskutierte das auf Facebook, die Hochschulzeitung berichtete darüber. In der Washington Post durfte der Student, der die Debatte auslöste, seine Haltung schließlich in einem Aufsatz darlegen. Für ihn ist Fun Home (ein Buch, das er nicht gelesen hat) Pornographie, es sei mit seinem christlichen Glauben nicht vereinbar, so etwas zu lesen. In Form eines geschriebenen Romans hätte er es wohl gelesen, schreibt er, aber nicht als Comic, wo sexuelle Aktivitäten im Bild gezeigt würden. Der Autor des Artikels studiert übrigens nicht etwa Theologie, sondern „Global Health“, ist also angehender Naturwissenschaftler. Bitter.

  • Christian

    Zu „I’m a duke freshman“:
    Der liebe Freshman stiehlt sich aus der eigenen Verantwortung: “But I tell you that anyone who looks at a
    woman lustfully has already committed adultery with her in his heart,”
    Bleibt doch ihm überlassen, ob er sich von dem dargestellten aufgeilen lässt oder nicht. Da ist irgendwas in der Wahrnehmung ziemlich verschoben.
    „Flee from sexual immorality.” Hmm, schwierig, von sich selber wegzulaufen.